Werk- und Wirkstatt
für einen Lebens-, Liebes-
und Schöpfer-Weg
»Ein neuer Weg entsteht, indem er gegangen wird.«
Taoistische Weisheit
Mit diesen Seiten möchte ich die Leserin und den Leser in den Frei- und Experimentierraum meiner Werkstatt einladen und damit zu einem neuen Blick auf die Wirklichkeit, auf uns selbst und das lebendige AllEine. Ich möchte damit die Tore öffnen für ein Erinnern an unseren Wurzelgrund, an das wertvolle, unerschöpflich schöpferische Potenzial, das uns als Menschen natürlicherweise eigen ist, und zeigen, wie wir es wahrnehmen und entfalten können: nämlich indem wir uns – wieder leibhaftig geworden – mit ihm verbinden und aus dieser Weisheits- und Kraftquelle schöpfen.
Dazu braucht es, zu erkennen, wodurch das Wirken unserer inneren Quelle über Jahrtausende hin kulturell behindert worden ist: die bisher unerkannten oder verleugneten patriarchalen Anteile der bisherigen spirituellen Wege und Religionen und das Missachten und Ausgrenzen des weiblichen Blickes, der weiblichen Stimme und des weiblich Göttlichen.
So mögen meine Texte stellenweise wie ein postpatriarchales Manifest anmuten, welches die Verbundenheit all derer, Männer und Frauen, stärken könnte, die wie ich spüren, dass etwas sehr Grundlegendes in unserer Welt schiefläuft.
Meiner Einsicht nach kann eine Wende geschehen, wenn und indem wir uns erinnern und besinnen und grundlegend neu an den Wurzeln des allseitigen Übels ansetzen. Das sehe ich im Verlust unseres menschlichen LeibSein-Bewusstseins, unserer Leibganzheit – damit auch den Zugang zum Unbewussten und seiner Lebens- und Schöpferweisheit versperrend – und in einem Ungleichgewicht der weiblichen und männlichen schöpferischen Lebens-, Liebes- und Geisteskräfte begründet. Und in einem Unwissen bezüglich dessen, was uns wirklich trägt. Und am fehlenden Zugang zu dem, was uns aus dem Dilemma, in dem wir momentan auf allen Ebenen des Seins und Lebens menschheitsgeschichtlich stecken, hinauszuführen in der Lage wäre: das, was ich Selbst, Seele, Liebe oder – als Symbol für dieses immer anwesende, liebevoll-schöpferische Wirken – GÖTTIN nenne, und den Tanz von Yin und Yang, über den es sich in uns und im Zusammenwirken in der Welt verwirklichen lässt.
Zu Beginn
Themen
- Vom Geist zum Leib, zur Seele und zur Liebe
- Die Liebe als Kraft und höchster Wert
- Die Heilung des Verhältnisses von Yin und Yang
- Die Wiedereinführung des Heiligen Weiblichen und der GÖTTIN in den Bereich des Spirituell-Seelischen
- Lieben, erkennen, uns wandeln, schöpfen - der schöpferische Tanz von Yin und Yang
Ich habe mich in meinem jetzt über siebzigjährigen Leben sowohl praktizierend also auch selbst erfahrend, als auch reflektierend und eine Fülle der jeweiligen Literatur studierend mit den meisten der bekannten und vielen der unbekannteren Religionen, vorgeschichtlichen und heutigen Kulte und spirituellen Traditionen beschäftigt. Und es ist für mich nicht schlüssig, geschweige denn glaubhaft nachvollziehbar, was sie uns in ihren Lehren und/oder Praktiken über die Wahrheiten der sichtbaren Natur, den Menschen, die Welt und ihre Wirklichkeiten und erst recht über alles Mystisch-Jenseitige erzählen.1 Wie viel davon hat sich mittlerweile, vom menschlichen Forschungs- und Entdeckungsdrang erkannt, als falsch oder überholt erwiesen! Und wie unendlich viel über das Universum, seine Schöpfung, sein Wesen und Wirken wird uns wohl ein ewig unergründliches Geheimnis bleiben!
Zwar beleuchten alle Theologien und spirituellen Lehren verschiedene Facetten der „wahren Natur“ oder „wirklichen Wirklichkeit“ der Schöpfung (meist auf unterschiedliche Weise). Dennoch fehlt, wie ich zeigen werde, besonders in ihren Menschenbildern und damit in ihren auf uns Menschen bezogenen Botschaften die ganzheitliche Schau, besonders die Erkenntnis unserer Leibganzheit sowie von allem, was sich daraus notwendigerweise ergibt. Also etwa all das, was sich hinsichtlich der Bedeutung des Erlebens, des Erfahrens, ja des Fühlens schlechthin, also des Verständnisses dieser Leibganzheit und ihrer Bedeutung auch und gerade für psychologische, philosophische und religiöse Inhalte ergibt. Es fehlt vor allem die Einbeziehung des Weiblich-Göttlichen an prominenter Stelle in ihr spirituelles Paradigma. Und damit mangelt es ihnen an Einsicht in die grundlegend einseitige, weil patriarchal ausgerichtete Struktur ihrer Kernaussagen, ja ihres jeweiligen spirituellen Gesamtsystems. Schließlich vermisse ich jeglichen spirituellen Bezug zum Unbewussten, auch zur Seele als im Menschen tatsächlich wirkender Anwesenheit des Göttlichen, von mir als GÖTTIN erfahren und in meinen Texten ausführlich thematisiert.
Allgemeiner ausgedrückt: Es fehlt der Bezug zur lebendig anwesenden, wirkenden, liebenden, sich ständig wandelnden und schöpferischen Gottheit. Es mangelt an plausiblen Wegen, sie wirklich zu erfahren. Damit fehlt aber auch die Möglichkeit, einem tatsächlichen Geführtwerden von etwas Göttlichem vertrauen zu können und in diesem Vertrauen ein neues, heileres Selbstverständnis und Selbstbewusstsein zu erlangen sowie eine konkrete, erlebte und auch ausstrahlende spirituelle Verwirklichung zu finden.
Aller Wahrscheinlichkeit nach liegen die Gründe dafür unter anderem in der Entstehung des Patriarchats vor rund 5 000 Jahren und in der historisch entstandenen Trennung von verwissenschaftlichter Psychologie und religiöser Seelenkunde einerseits sowie Religion und Spiritualität andererseits. Jedenfalls ist mir keine lebendige Tradition und kein neuerer Weg bekannt, die das Weiblich-Göttliche integrieren, die Wege zum Selbst der humanistischen Psychologie und die Tiefendimension des kollektiven Unbewussten einbeziehen. Und selbst wenn viele, besonders die „großen“ Religionen, Menschen durchaus tiefe Sinnerfüllung, Geborgenheit, ja selbst mystische Heils-, Gottes-, oder Erleuchtungserfahrungen geben können, bieten sie keine wirklichen Schritte in Richtung einer persönlichen Potenzialverwirklichung sowie der tatsächlich auch wirkenden Hinwendung zur Liebe als einem alles verbindenden und vorrangigen Prinzip des Lebens, das wir Menschen und die Welt insgesamt gerade heute so dringend brauchen! Meinem Erleben nach ist dies alles aber durchaus erreichbar, wenn wir die wirkliche Wirklichkeit mit aller Fülle, Mehrdimensionalität und schöpferisch-liebevollen Ausrichtung als GÖTTIN begreifen und sie zu unserer erlebbaren und realisierbaren Vision machen!
Das geht insbesondere nicht, ohne dass wir unser Denken und Handeln aus einer patriarchal dominierten Sichtweise und Haltung in sehr viel weiblichere zurechtrücken. Wenn es uns gelingt, zum Erwachen unseres wahren Selbst zu finden und das dann zur Seele und zum Verinnerlichen der GÖTTIN auszuweiten, dann und nur dann können wir auch in unsere bestimmungsgemäße volle Menschwerdung oder Göttinverwirklichung im Sinne personaler Verwirklichung gelangen. In dieses Not-wendige, aber auch freudvolle Zusammenwirken männlich-weiblich-göttlicher – also letztlich drei-einiger – Lebenskräfte. Und uns damit wirkend schöpferisch in den Dienst des Lebens und unser aller Wohlergehens auf diesem unseren Planeten Erde stellen!
Diese Seiten sollen die hier genannten Defizite aufarbeiten. Sie sollen dabei – wie ein lebendiges Buch – der Entwicklung eines Lebens-, Liebes- und SchöpferWeges dienen. Ich gebe zu, das ist eine Vision! Aber eine mit Ideen, wie sie verwirklicht werden kann. Es ist die Vision eines integrierten und vor allem Geist, Seele und Körper umfassenden ganzheitlichen Weges, ich sage: eines Leib-orientierten spirituellen Seelenweges, der die heute erkennbaren Einseitigkeiten und patriarchalen Bestandteile bestehender Religionen und spiritueller Traditionen beenden helfen und dadurch zu einem neuen spirituell-seelischen Paradigma führen kann.
In dem hier angeregten neuen Paradigma beziehungsweise im Weg dorthin soll es gleichwertig um Erwachen und Erwachsen gehen, um Bewusstseinsentwicklung und Seelenreifung, um eine ganzheitliche Entwicklung des Menschen zu seinem höchsten inneren Potenzial. Und der dabei folgerichtig nicht nur das Weiblich-Göttliche als solches, sondern besonders auch ein duales Gottesverständnis, also die Gemeinschaft von GOTT und GÖTTIN, ins Zentrum setzt. Ein Weg also, der am liebevollen Miteinander und Zusammenwirken von Mann und Frau orientiert ist, dabei aber grundsätzlich dem Weiblichen und, daraus folgend, insbesondere dem Weiblich-Göttlichen wieder den Stellenwert zukommen lässt, den es im Rahmen des Irdischen und Kosmischen, also allen natürlichen Seins, tatsächlich hat.
Nun scheinen zwar schon einige alte wie neuere, westliche wie östliche spirituelle Angebote – Theorien wie Praktiken – in ähnliche Richtungen zu weisen. Doch insbesondere in den Lehren der alten östlichen spirituellen Traditionen fehlen mir eine Verstehensmöglichkeit und ein stimmiges Begriffssystem für ein leiblich gegründetes Erleben, wie sie mein eigenes Leben heute so erfüllend, beglückend und schöpferisch machen. Indem sie mich vor allem Die GÖTTIN (wieder!) als anwesende und zugängliche – auch persönlich kommunizierende – liebevolle und schöpferische Präsenz und weise Führung wahrnehmen und erkennen lassen. Sie also für mich als wirkliches und wirkendes Sein in mir, in anderen und in der Natur ganz konkret und tatsächlich erlebbar machen.
Diesem meinem Erleben nach fehlt, wie ich oben gesagt habe, allen im patriarchalen Kontext entstandenen spirituellen Traditionen eine Wahrnehmung, eine Wertschätzung und ein praktischer Zugang zu der jedem Lebendigen und Natürlichen zugrunde liegenden und auch in uns persönlich immer präsenten Lebens- und Schöpferquelle: dem großen Yin, oft symbolisiert als MutterGöttin Und es fehlt ihnen infolgedessen eine Einsicht und ein tiefes Verstehen und Verwirklichen des daraus sich entfaltenden spirituellen Seelenweges. Dieses unendlich schöpferischen Liebes-Tanzes von Yin und Yang sowohl im (Makro-)Kosmos als auch in jeder und jedem Einzelnen von uns in ganz persönlicher Art und Weise!
In dieser meiner Einsicht und in meinem Verstehen des allem zugrunde liegenden und alles Seiende durchziehenden schöpferischen Energiefeldes von Seele und Selbst sowie deren Potenzials und Wirkens durfte ich das eigentlich kaum beschreibbare Glück erfahren, dem göttlichen Walten in allen Bereichen der Welt und vor allem in mir selbst ein gutes Stück näher zu kommen.
Das gibt mir nun auch den Mut und die Kraft sowie alle nötigen Hilfen, auch anderen Menschen die Wege zu einer solchen beglückenden Selbstfindung aufzeigen zu wollen. Vor allem aber auch insgesamt meine entsprechenden Erfahrungen und Gedanken in den Dienst einer neuen, auch spirituell neuen Werteordnung zu stellen. Ich möchte zu einer gewandelten spirituell-seelischen Praxis und Lebensweise beitragen und zu eigener Auseinandersetzung mit den damit möglichen neuen Erfahrungen anregen. Und ich möchte mich mit Menschen vernetzen und austauschen, die spüren, dass unsere katastrophale Welt- und Lebenssituation nach einem veränderten spirituell-seelischen und persönlichen Selbstverständnis sowie nach einer gewandelten spirituell-seelischen Praxis verlangt. Und die wie ich der Überzeugung sind, dass die Voraussetzung eines solchen Wandels nicht zuletzt in einer ganz neuen, am Weiblichen und an der Liebe orientierten Lebensweise und Spiritualität liegt.
Es scheint mir selbstverständlich, dass es beim Prozess eines solchen Wandels im Sinne eines Erwachens und Erwachsens um eine ganzheitliche spirituell-seelische Entwicklung von uns Menschen gehen muss. Eine Entwicklung zu unserem wahren Wesen und dessen Ausdruck – und zwar sowohl erkenntnis- und bewusstseinsmäßig als auch bezogen auf die Entfaltung von dem, was ich als unsere Seele bezeichne. Denn nur das bewusste Schöpfen aus der Fülle dieser Quelle unseres Seins gibt uns die Kräfte, den Mut und vor allem die Inspirationen, die es für eine solche grundsätzliche Neuorientierung braucht.
Ich werde diesen Weg in den folgenden Texten als einen Heilungs-, Beziehungs- und Liebesweg beschreiben. Als einen Weg des Erwachens in unser lebendiges Sein, unser Selbst und unser Schöpferpotenzial. Dabei werde ich Wiederholungen, Überschneidungen, manchmal auch Beschreibungsschwierigkeiten nicht immer ganz vermeiden können. Ich bitte darum, meine Worte nicht auf die Goldwaage zu legen, schreibe ich doch – um mit Hildegard von Bingen zu sprechen – nicht aus wissenschaftlichem Geist, sondern aus dem Herzen einer beseelten Frau!
Und gerade auch als solcher geht es mir hauptsächlich um eine Schwerpunktverlagerung der spirituell-seelischen Praxis vom Geist auf den Leib und die Liebe.
Also auch um ein neues Verständnis der Liebe. Folglich um eine Neubesinnung über die Bedeutung von uns Menschen als lebendige, beseelte, sich in Entwicklung wandelnde Personen. Und unsere Beziehungen miteinander.
Folglich auch um eine neue Sicht und Würdigung unserer Geschlechtlichkeit, in der uns ein leichter Zugang zu unserer menschlichen Schöpferkraft und zur Verwirklichung unseres höchsten Potenzials als Mann und Frau geschenkt ist. All das wird in den bisherigen spirituellen Wegen nicht oder nicht hinreichend erkannt, ja Frauen wurden und werden in ihnen vielfach abgewertet und diskriminiert; vor allem wird ihnen sogar eine Teilhabe am Wesen des Göttlichen abgesprochen. Das zu ändern, das Weibliche in uns wieder entsprechend seiner Bedeutung zu würdigen, ja seine besondere Nähe und Verbindung zum Göttlichen wieder anzuerkennen, halte ich aber für grundlegend für unseren spirituellen Seelenweg. Und natürlich auch für unser gesamtes Leben im Sinne eines Miteinanderwachsens und schöpferischen Zusammenwirkens in der Welt.
Die Liebe als Kraft und höchster Wert
Nicht mehr der Geist, das Bewusstsein, naturwissenschaftlich-logische „Beweisbarkeit“ und Erkenntnis sollen unsere höchsten Werte sein, vielmehr soll die Liebe als unverzichtbare Basis und Richtschnur unseres Lebens und Handelns anerkannt und in all ihren Formen wieder geheilt und geheiligt werden!
So verstanden, geht es mir zwar um Liebe als höchsten Wert insgesamt, im Besonderen aber um die Rehabilitierung unserer erotischen, transformativ und schöpferisch wirkenden Liebeskraft. Und um ihre bindende Wirkweise in einem ausgewogenen Verhältnis der sogenannten Yin- und Yangkräfte, besonders der darunter verstandenen Aspekte weiblich und männlich. Wobei das eine absolut notwendige Rehabilitation des Weiblichen (YIN) in jedem nur denkbaren Lebens-und Wirklichkeitsbereich erfordert. Und das meine ich nicht nur im engeren Sinne von Frauenemanzipation, sondern ich halte eine neue Achtung, Würdigung und Wertschätzung beider Geschlechter für die unabdingbare Voraussetzung für ein neues bipolares spirituell-seelisches Paradigma in Richtung eines gleichwertigen und gleichgewichtigen Zusammenwirkens beider in Form einer neuen Lebens- und Liebesgestaltung.
Und nur sie, also eine im Leben und im Leib und damit im Erleben gründende natürlichere, heilere und seelisch reife schöpferische Entwicklung unseres zweigeschlechtlich geschaffenen Menschseins wird letztlich auch im spirituell-seelischen Sinne zur Erweckung immer tieferer und umfassenderer Bewusstseinszustände führen.
Mein Anliegen gründet also in der Einsicht der dringenden Notwendigkeit einer Heilung der Beziehung zwischen Mann und Frau, umfassender: der zwischen dem männlichen Prinzip Yang und dem weiblichen Prinzip Yin. Dem entspricht innerpsychisch das, was C. G. Jung Anima und Animus genannt hat, also die geschlechtlich polaren Seelenanteile, die in jeder Frau und jedem Mann vorhanden sind.
Wir wissen ja zumindest heute, dass beide Pole, Männliches wie Weibliches, nicht nur als Mann und Frau real existieren, sondern in diesen selbst wiederum als innere Kräfte, ja als genetische und seelische Anlagen vorhanden sind. Und gelebt werden wollen und müssen!
Zwar werden sich in unterschiedlicher Gewichtung und Qualität in Frauen überwiegend die Yin-Teile der Seele, im Mann deren Yang-Teile verwirklichen. Allerdings wirken stets auch unsere jeweils anderen, also die gegengeschlechtlichen Aspekte mit. Da diese aber dann zumeist wiederum auf die jeweils eigengeschlechtliche Art und Weise ausgedrückt und gelebt werden, bleibt diese ganze Sache etwas kompliziert, solange wir darüber nicht ausreichend – am besten schon in der Schule – aufgeklärt und im Umgang damit geschult werden! Wodurch auch viele krankhafte, therapiebedürftige und auch schlimme Dinge in der Welt, die davon ausgelöst werden, zwar nicht ganz verschwinden, aber doch vielfach verbessert und vermieden werden könnten.
Vor allem die Ursache der gegenwärtigen katastrophalen Natur- und Weltsituation sowie der grundlegenden Störungen sowohl in den einzelnen Menschen als auch in der Liebe zwischen Männern und Frauen sehe ich primär in den waltenden Ungleichgewichten dieser Yin- und Yangkräfte. Hauptsächlich in der darauf basierenden patriarchalen Werteordnung unserer Welt sowie in den daraus folgenden Machtverhältnissen, Tabus, Liebeswunden und Traumatisierungen, die wir im Rahmen unserer ureigenen Lebensgeschichte erlebt und erlitten haben. Und die uns zutiefst geprägt sowie von uns selbst als auch voneinander entfremdet haben.
Da ich Yin und Yang als die zwei Urprinzipien des Lebens, der menschlichen Natur und aller übrigen Schöpfung ansehe, aber gleichzeitig wahrnehme, dass wir immer noch in einer patriarchal geprägten Kultur leben, in der die Yin-Kräfte, also das weibliche Prinzip insgesamt, abgewertet werden, halte ich es also für dringend Not-wendig, das Weibliche grundlegend zu rehabilitieren. Ich meine allerdings, dass es damit nicht getan ist!
Es ist ja schon vielfach, vor allem historisch und archäologisch, nachgewiesen worden, dass das Patriarchat die Hauptursache für die Entstehung männlicher Gottheitsvorstellungen, also männlich dominierter Religionen und Kulte bei gleichzeitiger Zurückdrängung, Abwertung und sogar Ausmerzung früherer weiblicher Religiosität, Kulte und Praktiken gewesen ist. (Und die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Hexenverbrennungen nur scheinbar die letzten europäischen Untaten diesbezüglich gewesen sind.)
Es gilt also, das Patriarchale auch im Bereich des Spirituell-Seelischen und Göttlichen wieder zu beenden und einzusehen, dass es ein absolutes Unding ist, wenn wir, zumindest im christlichen, aber auch im jüdischen oder islamischen Bereich, einer nur männlichen Gottesvorstellung anhängen. Und daraus teilweise die übelsten Schlüsse hinsichtlich der Frauen, ja der Geschlechtlichkeit insgesamt ziehen!
Aber, und ich betone es noch einmal: Nicht nur aus emanzipatorischen Gerechtigkeitsgründen gilt es, das zu ändern! Denn ich werde zeigen, dass es noch ganz andere, zumindest unserer irdischen Wirklichkeit und sogar unserer Logik stärker entsprechende Gründe gibt, das Weibliche vollumfänglich zu rehabilitieren. Und nicht dem männlich Geistigen spirituell-theologisch den Platz der obersten Gottheit zuzuerkennen, sondern ab jetzt thea-logisch von einer GÖTTIN zu sprechen, Ihre zumindest natürliche, lebensbezogene Priorität anzuerkennen und demgemäß zu leben und zu wirken.
Vorstellungen in diese Richtung gab es übrigens auch schon mehrere Jahrhunderte lang im europäischen Mittelalter, die aber dann weitgehend unterdrückt wurden. Nicht wenige Bildnisse dafür sind jedoch erhalten, und sie geben mir schon eine wichtige ermutigende Bestätigung dafür, dass ich nicht alleine mit meinen hier dargestellten Erkenntnissen bin.
Es braucht ein „Patriarchatsheilungsparadigma“, ein Schöpfungsparadigma mit Göttin statt Gott oder Buddhanatur an der Spitze. Das wäre ein Treibebooster in eine neue Wirklichkeit – ein Weiblichkeitszeitalter!

Bei dieser Rehabilitation des Weiblichen wird es vor allem um eine neue Wertschätzung des Körpers, des Körperlich-Sinnlich-Emotionalen, unserer menschlichen Natur, auch unserer WildNatur gehen. Um feinstofflich-energetische Körperarbeit und das dadurch ermöglichte Bergen von Körperweisheit. Letztlich also um einen Weg zur Innen-Führung durch die uns gegebene Leib-Weisheit, der inneren Quelle unseres Seins.
Der Bereich des Unbewussten oder Noch-nicht-Erschienenen, des Ungeborenen mit allen seinen Dimensionen, Welten, Weiten und Lebenskräften wurde schon immer dem Weiblichen und Seelischen zugeordnet. Ebenso die feinstoffliche Welt sowie das Reisen in diesen transpersonalen Bereichen. Die Beziehung zu etwas uns noch Unbewusstem, die Deutung seiner bildhaften und symbolischen Sprache spielen vor allem auch dann eine besondere Rolle, wenn wir das Seelenwachstum einbeziehen. Denn es ist eine uralte Wahrheit, die da sagt: Die Seele spricht in Bildern.
Daraus folgt jedoch notwendigerweise eine Ergänzung und Erweiterung unseres bisherigen Verständnisses von Erleuchtung oder Erwachen als Begriffe für die uns Menschen bisher höchste mögliche Form spiritueller Verwirklichung, sei es hin zu einem auch immanent Göttlichen, zu GÖTTIN, zu dem/der wir eine persönliche (!) Beziehung aufnehmen können, sei es in Richtung einer Buddhaschaft oder gar eines Nirwana.
Da aber alle diese Ausdrücke meiner Ansicht nach letztlich jeweils „nur“ unterschiedliche Aspekte, Deutungen oder Versprachlichungen des einen spirituell-seelisch verknüpften Liebes- und Wandlungsweges sind, gebrauche ich im Folgenden nahezu austauschbar auch Begriffe wie Selbstverwirklichung, Gottesverwirklichung, Erleuchtung, Entfaltung der Seele, das Bergen des Inneren Schatzes oder das Verwirklichen der Unschätzbaren Perle, wie die Sufis diesen Prozess bildhaft bezeichnen.
Meiner Ansicht nach sind die wichtigsten menschlichen Fähigkeiten lieben, erkennen, uns wandeln und schöpfen. Im unmittelbaren Erleben wirken sie oft untrennbar zusammen. Um sie und ihr Zusammenwirken geht es mir auf diesen Seiten. Ebenso darum, zu beschreiben, wie sie einander brauchen, ergänzen und befruchten.
Ich stimme dem Satz eines Freundes vollen Herzens zu, der einmal gesagt hat: „Das höchste Glück ist Beziehungsglück.“
Dabei denke ich, dass das sowohl für Situationen gilt, wenn wir innen bei uns und mit unserem tiefen Selbst verbunden sind, als auch für die Beziehung zu einem wie auch immer begriffenen liebevoll präsenten Göttlichen und für die Beziehung zu einem Göttlichen, das wir in aller Natur, ja in jedem irdischen Gegenüber erkennen und nicht zuletzt mit einem menschlichen Partner finden können. Und womit wir im liebevoll schöpferischen Yin-Yang-Tanz kommunizierend etwas wirklich Neues erschaffen und bewirken können: etwas Neues, was dem Leben dient und unsere Welt vielleicht – hoffentlich – durch unser Sein und Wirken ein bisschen weiterbringt beziehungsweise zu einem Wandel zu etwas Besserem beiträgt.
Anmerkung
1 Ich wende mich hier nur gegen die offiziell vertretenen Versionen/Deutungen, Dogmen und internen Herrschaftsstrukturen der jeweiligen religiösen Tradition und deren patriarchal durchwirkte Lehren oder Deutungen, nicht gegen die Religionsgründer und deren Wirken und Werke. Sie sehe ich als mutig-visionäre Erneuerer, auch Grenzüberschreiter, oft sozialpolitische Revolutionäre im Rahmen ihrer Zeit.
Ich habe bisher in allen Religionen und spirituellen Traditionen Wertvolles und mich tief Berührendes gefunden und labe mich seelisch immer wieder an den mythischen Überlieferungen. Und auch die mystische Ebene der jeweiligen Richtung und ihre Auslegungen aus mystischer Sicht haben meinen Weg immer begleitet und bereichert. Dennoch ist mir klar geworden, dass bisher keine Religion oder traditionelle Form der Spiritualität an unserer patriarchal durchwirkten Welt irgendetwas geändert hat!
