SelbstSeelenGespür
Für den nachfolgenden Teil des Textes sei also vorab noch einmal betont, dass die SchöpferGöttin, die in unser „Dazwischen“ oszilliert, in Ihrer tiefsten Ursprünglichkeit und Wirklichkeit eine zwiefältige oder bipolare ist, eine helle Tag- und eine dunkle Nachtseite hat. Kurz gesagt, repräsentiert Sie – wie die indische
Mit diesen – in unserer patriarchalen Kultur entwerteten – Ur-Lebenskräften sind wir aufgerufen, zu kommunizieren, zu kooperieren und manchmal auch ekstatisch zu verschmelzen. Das heißt, sie, dem Leben dienend, schöpferisch durch uns wirken zu lassen. Also sie auch zu gebrauchen!
Ich weiß, dass es ein langsames Annähern und Vertrautwerden mit diesen urweiblichen Matrix- oder Kernkräften braucht, um unseren Weg zum Selbst und dann weiter vertrauensvoll in unsere seelische Potenzialverwirklichung gehen zu können! Zumindest kann ich aber aus meiner eigenen Erfahrung sagen, dass mir jede Begegnung mit diesem meinem Tiefen-Selbst, und gerade jede mit dem sogenannten Dunklen Weiblichen, letztendlich ein riesiges Stück Eigenmächtigkeit und Freiheit geschenkt hat!
Ich vermute, dass gerade dadurch die folgenden Ausführungen ganz spannend werden, weil es dabei auch um diesen „bipolaren Teil“ von
Besonders dadurch bekommt der Seelenweg eine neue Qualität, denn wir „Seelenreisen-den“ können ein zunehmend sicheres Gegründetsein in unserer Seins-Tiefe erfahren und daraus wiederum eine verstärkte Motivation oder sogar Sehnsucht gewinnen, auch diese Tiefen unseres SelbstSeelenGespürs zu erforschen und angstfrei zu erleben.
Es ist übrigens gerade hier eine eminent bedeutende Weichenstellung hinsichtlich des von mir als so bedeutend hervorgehobenen Unterschieds zwischen einem männlichen „GOTT“ und einer weiblichen „
Diesem herrschenden patriarchalen Konstrukt gegenüber steht nun geradezu sehr bestimmt meine weibliche Sichtweise von
Früher wurde gerne für die Darstellung der integrierten, also der hellen und dunklen Seite des Lebens das Bild des Mondes mit seiner hell-dunkel-seitigen Erscheinung gewählt und als „Mondgöttin“ symbolisiert – das gilt bis in einige heutige feministische Kreise. Dennoch ist dieses nicht allumfassend, weil auch dieser wiederum ein „Sonnengott“ gegenübersteht. Auch die heute gern erwähnte Polarität aus GOTT und Mephisto als seinem Geschöpf und ebenso Versuche neuzeitlich orientierter Theologen, GOTT auch eine weibliche Seite zuzugestehen, indem sie etwa „den Heiligen Geist“ der göttlichen Trinität verweiblichen oder als „die Weisheit“ oder Sophia personalisieren3, fehlt die immer schöpferische, allumfassende Ganzheit. Und es scheint der „dunkle Pol“ doch auch negativ oder als von GOTT „abtrünnig“ gesehen zu werden. Zumeist fehlt diesen neueren Ganzheitsversuchen die Assoziierbarkeit mit der immer schöpferischen urmütterlichen Matrix des Urgrundes, aus dem sich alles Sein im Lebensfluss immer neu gebiert. Und weil auch Religionen wie der Hinduismus keine zentrale Ganzheitsgestalt annehmen und der Buddhismus sich diesbezüglich ins Nirwana flüchtet und das Tao altchinesischer Schöpferganzheit es mir nicht möglich macht, zu diesem abstrakten Symbol eine liebevolle Gefühlsbeziehung herzustellen,4 ist für mich gerade die bedingungslose Änderung der Ansprache des unendlich Schöpferischen als
Denn gerade hier gilt ganz elementar der Satz: Der Name ist Programm!
Erstaunlicherweise existieren auch heute noch – leider nahezu unbekannte – Bildwerke aus dem europäischen Mittelalter, die eine eindeutige Priorität des Weiblichen gestalten, nämlich Altarfiguren, welche die Gottesmutter Maria im wörtlichen Sinn als Muttergöttin, also auch als Mutter Gottes, des Herrn, darstellen, indem sie Gottvater selbst, Jesus am Kreuz und manche auch noch den Heiligen Geist in ihrem zu öffnenden „Flügelbauch“ beherbergen. Die Ursprünge und Träger dieser seinerzeit zwar weit verbreiteten, aber dann ganz schnell als teuflisch-ketzerisch vernichteten Ideen sind mir zwar nicht bekannt (man vermutet Ostelbien oder auch das Elsass schon im frühen Mittelalter als Ursprungsorte). Es sind jedoch einige solcher „vierges ouvrantes“ oder Schreinmadonnen erhalten geblieben. (Siehe auch „Die Wiedereinführung des Heiligen Weiblichen und der
Anmerkungen
1 Sylvia Brinton Perera: Der Weg zur
2 Der Teufel, beziehungsweise die Teufel galten früher als Naturgötter, in weiblicher Form walteten sie sicherlich in den von der Kirche verfolgten Hexen, die ja mit dem Teufel „buhlten“. Vgl. dazu Margarete Petersen im Text zum Tarotbild „Der Teufel“, Hans Peter Duerr in „Traumzeit“, Gertrude R. Crossier: „Psychotherapie im Raum der
3 Die Theologin Christa Mulak beschäftigt sich mit diesem Thema besonders in ihrem Buch „Am Anfang war die Weisheit“, Stuttgart 1988. Darin gibt es die Abbildung eines Altarbildes der „Heiligen Dreifaltigkeit“, in der „Sophia“ in der Mitte zwischen GOTT Vater und GOTT Sohn ihren Platz hat. Auch im gnostischen Christentum kommt Sophia noch als weise Geistin vor, und es gibt die sogenannte „Pistis Sophia“, einen koptisch-gnostischen Weisheitstext, der eine Art Apostelgeschichte darstellt und eine andere Dimension von Spiritualität enthält als die kanonischen Überlieferungen.
4 Da es mir um das Erleben von innerer Führung und einer als personal verstandenen, reifen (Wechsel-)Beziehung zum lebendig anwesenden göttlich AllEinen und um einen Weg der Selbstverwirklichung und Seelenreifung geht, die nicht nur geistig und abstrakte Möglichkeit bleiben, sondern innigstes leibhaftiges Fühlen und Verankertsein im SeelenSpürbewusstsein werden sollen, braucht es ein „Wirkwort“, ein dem AllEinen gemäßes Symbol oder „Gottesbild“ als Leitbild, das die ihm innewohnenden Qualitäten und Fähigkeiten auch Wort-bildlich widerspiegelt. Es muss ganz subjektiv für mich persönlich anziehend sein, sodass ich eine liebevoll-schöpferische Wachstumsbeziehung zu ihm herstellen mag, und ein personales Du für das immer schöpferisch sich wandelnde weise Feld oder die Lebensquelle, in der und durch die ich mehr und mehr mein innerstes Wesen und Vermögen und Sollen zu verwirklichen animiert werde.
Zum Einfluss der Wortwahl bezogen auf das Hervorrufen von spirituellen oder Gotteserfahrungen, die ich machen kann, wird es einen besonderen Text im Blog geben. Durch meine Beschäftigung mit der „Mystik und Magie der Sprache“ (so der Untertitel des Buchs Das verlorene Wort von M. Kahir) und der Beschäftigung mit „Gottesbildern“ (siehe dazu das gleichnamige Buch von Peter Schellenbaum) ist mir klar geworden, dass es „Wirkworte“ oder mächtige, uns seelisch berührende und erhebende Gefühle auslösende Worte gibt und auch braucht, weil diese uns helfen können, in uns Gottesliebe/Agape wirklich zu erleben und uns immer wieder auf die innere Quelle auszurichten, um unser tiefstes schöpferisches Wesen oder unser schöpferisches Potenzial insgesamt oder situativ in jedem Augenblick zu verwirklichen. Wirkworte können uns in eine Erfahrung des Bezeichneten geleiten. Ich meine, dass das Wort „GOTT“ für die Allermeisten gefühlsmäßig anders belegt ist als „
Manchmal ist es auch sinnvoll, den Bedeutungshof eines Wortes von Altem zu reinigen, zum Beispiel dann, wenn mit dem Begriff „
In einem Blogtext werde ich mich auch mit dem Unterschied zwischen einem Symbol oder Wirkbild für „etwas Numinoses“ und diesem eigentlich unfassbaren, nur erlebbaren Sein und Wirken an sich befassen! Und damit, dass wir ganz bewusst für uns selbst stimmige „Gottesbilder“ kreieren und diese dann wie ein Werkzeug oder Leitbild nutzen können, um uns immer wieder mit dieser Seelenkraft, für die es sinnbildlich steht, zu verbinden und uns von ihr erfüllen zu lassen.
