Heilen
Es geht mir also in erster Linie um ein Verständnis von Heilen, das uns Menschen ganz grundlegend betrifft und das, eben wegen dieser Behandlung von ganz grundlegenden Dingen, notwendigerweise auch mit einer sehr umfänglichen inneren Umstrukturierung oder Neuwerdung einhergeht. Also nicht „nur“ um Heilen etwa im psychotherapeutischen oder gar medizinischen Sinn, sondern um eine tiefe innere Arbeit an und für sich selbst, deren Ergebnis man tatsächlich als eine Art zweite Geburt erleben kann.
Wenn ich mir hier nun in diesem Sinn das Thema Heilen auch überwiegend aus einem patriarchatskritischen, also kultur- und vor allem auch religionskritischen Blickwinkel ansehe, sage ich damit gleichzeitig, dass ich glaube, hier die wichtigsten, grundlegendsten und damit auch grund-ursächlichen Auslöser beziehungsweise Verankerungen der meisten unserer „Unheilheiten“ identifiziert zu haben.
Und noch etwas ganz Wesentliches: Wir müssen, um hier so tiefgreifend und umfänglich „heilend“ weiterzukommen, erst einmal überhaupt lernen, nicht mehr in Trennungen, das heißt im Sinne von mehr oder weniger voneinander abgesonderten, vereinzelten oder sich höchstens wechselseitig überschneidenden Sektoren zu denken, sondern vielmehr in Ganzheiten.
So, wie es, bezogen auf den Körper, nicht wirklich Sinn macht, nur ein einzelnes Organ wieder in Ordnung zu bringen, sondern ein guter Arzt immer den Gesamtorganismus Leib mit allen seinen Schichten und Wechselverhältnissen betrachtet, wie es inzwischen ja auch etwa die Psychosomatik oder die Psychoneuroimmunologie machen.
Wenn wir dann den Menschen in seiner tatsächlichen Leibganzheit wahrnehmen, kann oder wird sich früher oder später auch unser Blick weiten, und wir werden zuerst in globaler, dann in kosmischer Ganzheit denken lernen müssen. Es rückt auch, etwa hinsichtlich der neueren Erkenntnisse über klimatische, ökologische und andere globale Zusammenhänge, ein solcher umfassender Blick notwendigerweise immer mehr in den Focus unserer Betrachtung.
Ich konzentriere mich zwar im Folgenden überwiegend auf die Betrachtung der menschlichen Leibganzheit, wobei sich allerdings zeigen wird, dass sich letztlich auch hier, wie ich schon im Abschnitt „Was bedeutet für mich heilen?“ hinsichtlich der Seele gesagt habe, unsere Verbindung mit dem Größeren, dem Kosmischen, dem Transzendentalen, die entscheidende heilende Rolle spielt. Hier sehe ich vier Bereiche oder „Säulen“ unseres Menschseins der Heilung bedürftig zu sein, weil sie in dieser unheilen Form die Folge von trennender und uns begrenzender Prägung, von Entfremdung und Entwertung sind.
Dabei handelt es sich um:
- Die Heilung unseres Ichs (auf geistiger, bewusstseinsmäßiger Ebene als Heilen von beengender Prägung, Fremdbestimmung/Heteronomie).
- Die Heilung der Entfremdung von unserer Leibganzheit, also von leiblicher Selbstentfremdung inklusive der Heilung unseres Emotionalkörpers/Fühlens, was eine Heilung unseres wahren Selbst bedeutet.
- Die Heilung unseres geschlechtsbezogenen Selbstwertgefühls. Hier bedarf nicht nur die Frau, sondern insgesamt die Beziehung zum Weiblichen in Mensch und Gesellschaft der Heilung! (Mit C. G. Jung: vornehmlich die Beziehungen von Animus und Anima.)
- Schließlich die Heilung der Trennung vom Göttlichen, vom Großen Ganzen, beziehungsweise von unserem göttlichen Ursprung und der lebendigen göttlichen Präsenz. Also um Seelenheilung.
Dieser hier in Kurzform beschriebene Heilungsprozess hat also zum Ziel, den Weg zum Selbst, zur Quelle, zu
