GöttinVerwirklichung

GÖTTIN-Erfahrung
GÖTTIN-Verwirklichung

Keine noch so detaillierte Beschreibung kann
dir die Erfahrung der Süße von
wildem Honig vermitteln.
Du musst ihn schon selber kosten.
Matthieu Ricard

Goldene Buddha-Dyade

Nochmals zum Zweifel: René Descartes, einer der Gründerväter der neuzeitlichen Aufklärung, hatte ja seinen berühmten Spruch „Ich denke, also bin ich“ in einem Zusammenhang formuliert!

Er sagte nämlich sinngemäß: Ich zweifle an der Existenz Gottes. Wenn ich aber zweifle, dann denke ich. Und wenn ich denke, dann bin ich. Und weil ich nun aber auch Gottes Existenz zwar anzweifeln, gerade damit jedoch beweise, dass ich denken kann, muss es folglich auch ihn geben, weil mich als Denkenden nur ein auch denkender und somit existierender GOTT geschaffen haben kann.

Daraus könnten wir nun schlussfolgern, dass es doch schon reichen würde, an Göttin zu zweifeln, um dann, getreu Descartes’ Wort, auch an Ihre Existenz glauben zu können.

Nun ist es aber so einfach wohl wiederum nicht. Denn wir haben längst verstanden, dass Descartes Schlussfolgerung hinsichtlich Gottes ein „Kurzschluss“ war, und er also für uns so nicht beweiskräftig genug ist. Wir müssen sogar sehen, dass hier noch andere Gründe ins Spiel kommen, die uns sagen können, dass es gerade in Hinsicht auf GOTT oder besonders Göttin oder auch Seele geboten sein könnte, wie ich vorhin gezeigt habe, unseren Zweifel einmal – zumindest probehalber – bleiben zu lassen.

Für den männlich gedachten GOTT-Geist kann es ja durchaus noch angehen, Zweifel als Akt des Denkens, also, wie ich sagte, letztlich als Akt der Vernunft zu akzeptieren und so den Menschen als mit dieser Vernunft begabtes Wesen als gottgewollt und der Erkenntnis Gottes fähig zu betrachten. Und unter der Maxime der Ebenbildlichkeit daraus wieder zu schlussfolgern, dass GOTT selbst dem Wesen nach sowohl der Inbegriff der Vernunft als auch demzufolge als ein „ein Mannwesen“ gedacht sein muss (was bei Descartes allerdings explizit kein Thema ist).

Für Emotio, für Liebe, für alles, was ich aber als überwiegend „weiblich“ und als wesenhaft für Göttin genannt habe, gilt das aber eben nicht. Und auch nicht in Bezug auf das definitiv Andere: das Unbewusste, das Irrationale, für alles verstandesmäßig nicht Erfassbare.

Um diesem nun aber nahezukommen, ist es folglich elementar nötig, unseren Zweifel einmal beiseitezulassen. Er hielte uns zu alle dem auf Abstand, denn er hält uns ja seinem Wesen nach in ständiger Distanz sowohl zu unseren eigenen Empfindungen als auch „zwiespältig“ gegenüber den stets bezweifelbaren Gefühlsäußerungen anderer. Besonders gegenüber allem, was mit „glauben müssen“ zu tun hat. Also auch gegenüber der Annahme, es gebe einen GOTT oder sogar eine Göttin.

Somit verhindert gerade unsere zweifelnde Skepsis, dass wir uns jemals in eine Situation begeben, die nötig wäre, um GOTT oder Göttin erfahren zu können. Denn bei diesen handelt es sich (auch per definitionem) um für unseren Verstand nicht wirklich erfassbare, ihn um Dimensionen überschreitende „An-Wesenheiten“.

Wir müssen uns folglich an etwas anderes halten, an etwas, das wir zumindest für uns selbst nicht bezweifeln können. Und das ist die Erfahrung!

Denn sie ist letztlich für uns selbst stets etwas unzweifelhaft Erlebtes und als solches weder Einbildung noch etwas nur Gedachtes. Erfahrungen werden er-lebt. Sie werden „gemacht“ und nicht „gedacht“. Und sie sind damit zumindest für uns selbst „über jeden Zweifel erhaben“. Ich muss sie nicht glauben, ich habe sie erlebt oder erlebe sie immer noch!

Um nun Göttin als real erfahren zu können, brauchen wir grundsätzlich zuerst natürlich alles das, was wir auch sonst brauchen oder was es geben muss, damit wir eine Erfahrung machen können. Und falls – was aber Tatsache ist –, falls also Göttin weit über Bekanntes und verstandesmäßig Erfassbares hinausreicht, brauchen wir auch etwas, das uns auch das – wie auch immer – in den Bereich unserer Erfahrungsmöglichkeiten bringt. Es bedarf also sowohl realer, lebendiger Begegnung mit allen dafür nötigen Wahrnehmungsaspekten als auch eine Aufgeschlossenheit sowie eine Art Sensorium für Dinge, die uns gänzlich neu und fremd erscheinen. Ja, die wir bisher ins Reich des Unmöglichen und Undenkbaren verwiesen hätten.

Neben einer grundsätzlichen Akzeptanz von uns irreal erscheinenden Wahrnehmungen (auch wenn sie anscheinend „nur geträumt“ sind), neben Vorurteilsfreiheit und Offenheit, durchaus vergleichbar mit der Lebensentdeckungsfreude, die wir als Kinder hatten, bedürfen wir einer – ebenfalls bei Kindern noch vorhandenen – Versenkungsbereitschaft in etwas, das, just gegenwärtig, unsere Aufmerksamkeit „fesselt“. Ich möchte es Versunkensein in eine Art innere Tiefe nennen, vergleichbar einem erlernten meditativen oder kontemplativen Zustand. Jedoch mit dem entscheidenden Unterschied, dass ich gleichzeitig meine aufmerksame Achtsamkeit auf innere Vorgänge behalte, die ich als „Innengespür“ bezeichne. Dass ich also weder in eine quasi buddhistische Leere noch in träumerische Phantasien und auch nicht in träge Schläfrigkeit abgleite, dass ich aber auch bereit bin, einer spontanen Eingebung zu folgen, einem gespürten Impuls oder zumindest einem empfundenen Nachhall auch nachzugeben.

Ich wage es jetzt einmal, mich ausdrücklich auf die „klassische“ Forderung nach einer Übereinstimmung von Inhalt und Form zu berufen und den von mir gemeinten Vorgang im Sinne von Johan Huizingas „Homo ludens“ zu beschreiben: Wir sind ja auf dem „Weg zur Göttin“. Und auf diesem Weg wären wir nun damit auf dem Waldspielplatz der Unvernunft oder auch des kindlichen Vertrauens angekommen. Und stürzen uns hier einfach mal die Rutsche der Unvernunft hinunter in die Arme der Verlockung, also der Liebe, die uns ganz sicher auffängt. Denn es sind die Arme der Göttin!

Einerseits also ist es hier der männliche „Eros-Akteur-Anteil“ in uns, der uns dazu den „Schubs“ gibt. Andererseits ist es Weiblich-Empfangendes, zu dem wir hinstürzen, das uns aber auch irgendwie magisch reizt, das jetzt zu tun.

Natürlich gehen auch Mädchen gern auf die Rutsche. Und vielleicht fängt sie unten Papi auf?

Ernster formuliert: Es ist doch einleuchtend, anzunehmen, dass die elementaren Bauprinzipien des Seins, vor allem der Welle-Teilchen-Dualismus, meinetwegen auch das Prinzip der doppelten DNA-Helix, auch für das Prinzip des seelischen Yin-Yang-Tanzes einer Begegnung mit der Göttin in uns – zumindest als Analogie – anwendbar sind.

Beide Teile: der aktive Unverstand der sich hingebenden Liebe und die aktive Anziehungskraft der passiv-empfangenden Göttin-Seele, in die wir eintauchen, wechseln in diesem Tanz geradezu lichtschnell einander ab. Und erzeugen dabei in der Tat jenes strahlende Licht der Liebe, des Einswerdens im Hieros Gamos, in der Heiligen Hochzeit. Das uns – um eine andere klassische Gestaltung dieser Verschmelzung zu nennen – in eine geradezu hermaphroditische Einheit von weiblichen und männlichen, göttlichen und menschlichen Wesensanteilen hineinführt.

Aus welchen inneren oder vielleicht auch äußeren Sphären dann jene Phänomene stammen, die man dabei erlebt, wahrnimmt, spürt, ist subjektiv in der Regel höchst unterschiedlich. Und es sind auch die „Phänomene“ selbst sehr verschieden, je nachdem, wie sehr man dieses Gewahrsein geübt hat, sich gegebenenfalls mit Erfahrenen, denen man das zutraut, austauscht. Auch, wie man diese Erlebnisse dann versprachlicht, verbildlicht oder sonst irgendwie für sich selbst „deutet“. (Hier bieten zum Beispiel die schon angesprochene wunderbare Technik des Focusing und in ihr ausgebildete Helfer gute Dienste.)

Ob man zu irgendeinem Zeitpunkt dahin gelangt, in diesen inneren Erfahrungen Äußerungen einer Seele oder sogar die Anwesenheit von etwas Göttlichem, ja von „Göttin“ zu verspüren, wird sich zeigen.

Nach meiner Erfahrung und der anderer gibt es tatsächlich auf diesem Weg einen „Punkt“, den wir übereinstimmend als Erfahrung unendlicher Liebe beschreiben. Manchmal auch als einen Blitz erleuchtender Erkenntnis, als das Erleben einer unendlichen Güte, Schönheit oder Harmonie oder auch als die Schau einer absoluten Wahrheit. Und die innere Evidenz und Unumstößlichkeit einer solchen Erfahrung ist es dann, die mich selbst, mein Leben und auch mein äußeres Erleben unumkehrbar und bereichernd wandelt.

Nicht im Sinne eines nunmehr permanenten Glücksgefühls, aber doch in einem zunehmenden Wahrnehmen der von C G. Jung so genannten Koinzidenzen, bestätigenden Übereinstimmungen, und göttlicher Führung sowie in immer reiferer Gelassenheit!

Oder auch – von einem selbst oft gar nicht wahrgenommenen – in einem für andere Menschen hilfreichen Tun und Reden, einem positiv ausstrahlenden Sein.

„An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“ (Matthäus 7,20) ist nicht nur ein Bibelspruch, sondern gilt auch für Göttin und unsere Begegnung mit Ihr: An Ihrem Wirken können wir Sie erkennen, und an unserem Wirken, also unserem Sein, können wir wiederum erkennen, ob es wirklich Sie ist, die uns führt und leitet. Oder anders: dass Sie uns liebt und in uns die Liebe zu Ihr entzündet hat.

Sie „braucht“ es nämlich in diesem Sinne, dass wir uns Ihr in die Arme werfen. Sie braucht unser „Spiel“ mit Ihr, braucht unsere Liebe, braucht unsere freiwillig hingegebenen Vorbehalte und Zweifel. Ja Sie braucht, um sich unser als Ihre vermenschlichte Liebe auf Erden wirkend bedienen zu können, die Bereitschaft unserer Vernunft, zu akzeptieren, ja es geradezu toll zu finden, dass es noch etwas viel Größeres gibt als jegliche Vernunft!!

Das aber wiederum heißt eben nichts anderes, als dass Sie Ihrerseits sich selbst und „von sich aus“ uns nur hingibt (als Sie Selbst, Geliebte, „Die Liebe“), wenn wir Ihr schon vorab zumindest vertrauen, wenn wir empfänglich dafür geworden sind, dass es, wie es im „Hamlet“ heißt: „mehr Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, als unsere Philosophie sich je träumen lässt“!

Sie, die SchöpferGottheit, kann ja gar nicht anders, als zu uns, Ihren Kindern, immer Ja zu sagen, sich an uns, im Geschenk unserer Existenz, selbst zu verschenken.

Das als die Wahrheit, als wirkliche Wirklichkeit zu erkennen, ja zu erleben, gelingt aber nur, wenn auch wir Ihr unsere Liebe schenken und unser „kleines Ich“ loslassen. Wenn wir bewusst spürend, bewusst erlebend gewahr werden, dass wir in Wahrheit – wenn auch in winzigster Winzigkeit – Ihr Fleisch und Blut sind.