Grundlegendes
Nach über vierzigjähriger Berufserfahrung als Pädagogin, Heilpraktikerin und Psychotherapeutin ist es mir also jetzt ein Bedürfnis, in umfassender Weise Dinge auch weiteren Kreisen zugänglich zu machen, die mir aus diesen Bereichen bisher wichtig geworden sind und in die zunehmend Erkenntnisse eingeflossen sind, die ich, wie in „Zu Beginn“ gesagt, auf meinen spirituellen Reisen und schließlich in mir selbst als evident erfahren habe.
Auf meiner früheren Homepage ging es mir hauptsächlich um die Rehabilitation des Weiblichen insgesamt – auch im Sinne meiner heilpraktischen, psycho- und körpertherapeutischen Arbeit. Und darum zu zeigen, wie ein weiblich orientiertes Heilen in Richtung von weiblicher Spiritualität und Lebenskunst aussehen kann.
Mittlerweile haben sich allerdings bestimmte Aspekte verschoben, sind bei mir selbst anders gewichtet und werde ich hier beziehungsweise in den folgenden Texten auch anders und ausführlicher darstellen und im Blog immer wieder aktualisieren und erweitern.
Eine Kurzübersicht über meinen Lebenslauf gebe ich im Anschluss, möchte aber zuerst dasjenige kurz skizzieren, was ich als mein bewusstes Lebenskonzept, Selbstverständnis oder meinen Ordo bezeichne. Nämlich eine Art Leitplanken, besser noch: meinen Lebens-, Denk- und Handlungsrahmen, der sowohl meine Berufsorientierung als auch meinen ganzen Lebensinhalt bestimmt und formt.
Warum brauche ich einen Ordo?
Generell bin ich der Ansicht, dass es nötig ist, wenn man mit Menschen, so wie ich, tiefgreifend arbeitet oder wenn man schreibt, auch die Hintergründe darzulegen, vor denen diese Arbeit geschieht. Also sagt, was einen dazu motiviert und dabei leitet. Ich nenne das den Ordo, den jemand hat.
Natürlich hängt dieser Begriff mit dem Wort „Orden“ zusammen, das etwa im christlichen Sinne eine Art klösterliche Gemeinschaft meint, aber auch „Ordnung“ und „Regel“. Ähnlich dem, was ein Grundgesetz ist, eine Werteordnung oder eine Grundmotivation.1
Seitdem ich weiß, dass neben genetischen und anderen Faktoren ein unbewusst und früh, quasi mit der Muttermilch eingesogenes und verkörpertes Paradigma bestimmt, wie wir uns selbst und unsere Wirklichkeit erleben, was für uns überhaupt real ist, was uns als wirklich erscheint und was wir für möglich halten und demgemäß auch nur verwirklichen können, halte ich eine vertiefte und dieses berücksichtigende Einsicht in das davon geprägte Menschenbild, unser Weltverständnis, Gegenwarts- und Jenseitsverständnis für elementar bedeutsam.
Deshalb ist es für mich nötig, schon an dieser Stelle zu betonen, dass es geradezu unerlässlich ist, sich ein von solchen Prägungen möglichst freies und damit realistischeres Bewusstwerden unserer Wirklichkeit und der Faktoren, die für unsere Seelenentfaltung und unseren Seelenweg wichtig sind, zu erarbeiten. Also sowohl die dafür hinderlichen Prägungen zu erkennen und abzubauen als auch unser mächtiges menschliches Schöpferpotenzial zu erkennen und aufzubauen. Wozu es jedoch auch erforderlich ist – bevor wir bewusst beginnen, Wirklichkeit oder Werke zu gestalten –, dass wir erfahren und erforschen, wie „schöpfen“ überhaupt geht, wie sich dabei männliche Geist- und weibliche Seinskräfte wechselseitig brauchen und unterstützen. Wie also eine durch das Zusammenwirken unserer natürlichen männlichen, weiblichen und auch spirituell-seelischen Anlagen und Potenziale, welches ich hier insgesamt unseren „Schöpfer-Weg“ nenne, erschaffene innere und äußere Wirklichkeit aussehen könnte.
Zusammenfassend: Mein Ordo ist mein persönliches, bewusstes Lebenskonzept, mein Menschenbild, meine private Kosmologie. Er bildet sich aus allem bisher Erkannten, aus dem von mir angeeigneten Wissen, meinen Erfahrungen, den Wegen, die ich bisher gegangen bin, meinem Erleben und auch den Früchten des von mir Erlittenen. Also aus meinen gesamten Lebens- und Lernerfahrungen.
Dieser Ordo stellt ein geistiges Konglomerat von Lebensweisheit und Richtlinien dar, der aber auch meine Ideale, meine Vision des verwirklichten Menschseins, meine Lebensausrichtung einschließlich meiner höchsten Werte (Liebe, Freiheit, Wahrheit, Schönheit, …) beinhaltet. Er meint also insgesamt alles, was mir mittlerweile, auch beruflich, als Maßstab und zur Orientierung dient sowie zur Einordnung meines unmittelbaren Erlebens, meines tatsächlichen oder auch vermeintlichen, sich variierenden und immer mehr sich erweiternden Wissens. Und selbstverständlich auch meines ganzen Strebens nach einem Einklang von Wissen, Gefühlen, Hoffnungen und Glauben.
Ich kann diesen meinen Ordo auch beschreiben als ein fließendes geistig-seelisches Gerüst oder Netz, das ich nicht nur in die Wasser meines jeweilig gegenwärtigen, bewussten Erlebens hänge, sondern welches mittlerweile auch bis in die Tiefen des Meeres dieses Erlebens reicht. Eine Art Reuse vielleicht auch, die bestimmt, „welche Fische mir ins Netz gehen“, und durch die letztendlich auch dasjenige hervorgebracht wird, was ich im Einklang mit meiner Wirklichkeit als real und existent erfahre.
Gleichermaßen ist dieses „Netz“ ein Ausdruck meines grundlegenden Selbstverständnisses. Insofern stellt dieser Ordo mein persönliches Deutungssystem dar, mit dem und aus dem heraus ich lebe, liebe, erkenne und bewusst wirke! Einige Teile davon sind mir – je nach Situation – bewusst, andere sind implizit vorhanden und können mir, „bei Bedarf“, zur Verfügung stehen. Und zwar im Vertrauen darauf, dass ich diesen Ordo nicht nur über die Jahre hinweg internalisiert habe, sondern besonders auch darauf, dass mir aus den Tiefen meines dorthin ausgerichteten, nach dorthin orientierten Seins auch innere Führung und Unterstützung zu Teil wird.
Da mir dieser Ordo also nicht nur hinsichtlich meiner Lebensweise, sondern auch in Bezug auf meine Arbeit mit und an Menschen ein Denk- und Handlungsmaßstab ist, ist er natürlich auch das Hauptmotiv meines Schreibens. Und ebenso alles dessen, was ich mittlerweile unter meinem Beruf verstehe. Denn in beidem sehe ich mich als eine Art „neuzeitliche Heilerin“.
Dabei verstehe ich Heilen in einem ganzheitlichen und sehr weiten Sinne. Ich verwende den alten religiösen Begriff „Seele“ (griechisch: Psyche) gerne sowie „Therapie“ tatsächlich auch als das, was das Wort sagt, nämlich als „Heilbehandlung“. Es geht mir also insgesamt um Seelen-Heilung. Und, als Konsequenz dieser seelischen Gesundung der Menschen, um die Hoffnung oder sogar den Glauben daran, dass durch diese ganzheitlich heileren Menschen auch mehr Gutes, eben: Heileres in diese Welt kommt.
Heilung also! Sie selbst wiederum aber ist für mich ein stufenweiser Weg, der letztlich über eine Transformation des etwa von Rolf Koll so genannten heteronomen Ich zu einem autonomen Ich führt, also von einem fremdbestimmten zu einem selbstbestimmten; von diesem weiter über die Bewusstwerdung unserer Leibganzheit zu einem voll entwickelten Selbst und in diesem schließlich zur Erfahrung unserer Seele. Diese wiederum – also das, was ich, anders als üblich, fast traditionell christlich für unseren transzendental orientierten Seinskern halte – kann sich, fast selbst-verständlich, zur Bewusstheit eines Eingebettetseins in noch größere irdische, ja, kosmische Sphären entfalten. Bis zu Erfahrungen einer göttlichen, universalen schöpferischen Wirklichkeit.
Bei alledem ist für mich als zweiter wesentlicher Aspekt meines Ordo entscheidend, dass ich selbst persönlich, wie auch als Frau, die leidvollen – die der Heilung bedürftigen – Aspekte eines solchen Prozesses konkret selbst erfahren habe. Und von daher wirklich zu wissen meine, wie sehr sie in der Unterdrückung, ja Verwundung des Weiblichen in Geschichte und Gegenwart sowie in der herrschenden Macht, ja Verherrlichung des Männlichen in den überall waltenden patriarchalen Strukturen ihre Ursachen haben.
Derart motiviert, ja befeuert geht es mir entschieden auch um eine Heilung und Rehabilitation des Weiblichen sowohl bei Frauen und Männern als solchen wie auch gesamtgesellschaftlich. Das bezieht sich dann natürlich auch auf den Bereich des Spirituellen!
Beide Faktoren zusammen führen schließlich dazu, den Zusammenhang der Heilung der Leiblichkeit, der Weiblichkeit und des Seelischen insgesamt als einen Heilsweg zu einer neuen Bewertung, ja einem tatsächlichen neuen Bewusstsein der universellen Schöpfungswirklichkeit zu sehen. Und damit sowohl religionsgeschichtlich als auch in einem gerechtfertigten Analogon zur irdisch-biologischen Wirklichkeit des weiblichen Gebärens nicht mehr von einem Schöpfergott, sondern von einer Schöpfergöttin zu sprechen. Einer
Als Heilerin, Pädagogin und – in diesem Sinne – seelisch orientierte Frauenrechtlerin arbeite ich also an einem Weg, den ich als einen „Weg zur Leibganzheit“, einen Weg zu Selbst und Seele, ja schließlich als einen „Weg zur
Ich möchte hier von einem radikalen Paradigmenwechsel sprechen, den für sich selbst zu vollziehen und zu dem auch offen zu stehen, gerade für Frauen bedeutet, sich ein starkes autonomes, also nicht mehr fremdbestimmtes, ja ein geradezu un-verschämtes Ich zu erarbeiten!
Also schreibe ich wesentlich für Frauen!
Jedoch auch und gerade dadurch auch für Männer! Denn es geht ja für sie ebenso darum, aus ihrer neu zu gewinnenden Ichautonomie heraus auf dominante patriarchale Verhaltensweisen zu verzichten. Und so, wie wir Frauen – um mit C. G. Jung zu sprechen – nicht nur unsere weiblichen Anima-Seiten, sondern ganz besonders die Kräfte unserer männlichen Animus-Anteile zu beleben haben, gilt es für Männer, die in ihnen angelegten weiblichen – also eben jene Anima-Anteile – bewusst zu erspüren, zu beleben, zu stärken. Und gleichzeitig gilt es für beide Geschlechter, überbordende neurotische und Frauen diskreditierende, ja unterdrückende Seiten in sich und in der Gesellschaft aufzubrechen und abzubauen.
Denn, ich wiederhole: Einzig in all diesem liegt Heilung! Und zwar nicht nur im Sinne einer Stärkung der Selbstheilungskräfte, sondern auch und besonders im Sinne eines Dienstes an den Menschen, ja an unserer „Mutter Erde“ überhaupt. Eine solche Gesinnung bedarf aber unbedingt einer klaren Einsicht in die noch immer herrschenden persönlichen und gesellschaftlichen patriarchalen Verhaltens- und Wirkungsweisen und deren Abbau, wo immer auch sie sich zeigen. Lassen wir uns aber nicht durch den Begriff „patriarchal“ dazu verführen, zu meinen, solche Denk- und Handlungsweisen eigneten nur Männern. Nein! Ich nenne als Beispiel nur überbordende und damit unzulängliche Mütterlichkeit, ich nenne Heimtücke und Machtgehabe, die ja durchaus bei beiden Geschlechtern anzutreffen sind, und denen selbstverständlich auch bei Frauen, auch den eigenen Müttern und Ehefrauen, durchaus Grenzen zu setzen sind.
Wir sind Teil dieser „Mutter Erde“, ja eigentlich tatsächlich ihre Kinder. Gleichzeitig sind wir stets Kinder von Frauen! Also: Machen wir uns weder sie noch die Erde weiterhin untertan, wozu uns, wie wir gelernt haben, noch die Bibel auffordert. Werden wir mündige Partner in Anerkennung der Priorität des Weiblichen. Eben auch als einer oder sogar der
Denn ich sehe das alles als einen ineinander verflochtenen Wirkkreis, wenn nicht gar als identisch: der Weg zur vollen Anerkennung des Weiblichen ist gleichzeitig der Weg zur Erkenntnis unserer Leibganzheit und verantwortlichen Mitgliedschaft innerhalb des Irdischen sowie alles Kosmischen. Und wiederum dadurch zur Bewusstwerdung einer weiblichen Priorität innerhalb aller Schöpfungswirklichkeit. Und vice versa.
Daraus folgt aber, dass der angesprochene Weg oder Prozess des Heilens auch nur in einem liebevollen, schöpferischen Zusammenwirken von Frauen und Männern, männlichen und weiblichen, eben von Animus- und Anima-Kräften gelingen kann, den ich als einen Tanz von Yin-Yang-Kräften verstehe und auch so nenne. Einem Tanz, in dem auch das Bewusstsein und das Unbewusste miteinander „tanzen“. Zwar ist es, in Analogie zu unserer Biologie, stets „das Weibliche“, das Neu-es, also „ein Kind“ gebiert (wozu sie jedoch vorher stets von einem Männlichen geliebt und befruchtet worden ist)! Und, so gesehen, können wir zumindest „funktional“ auch vom Bewusstsein, ja von allem, was schöpferisch etwas hervorbringt, als von etwas „Weiblichem“ sprechen.
Dieser grundlegend weibliche Heilsweg, der über alle irdische Existenz hinaus ins Transzendente, nämlich bis zur Annahme der erlebbaren Wirklichkeit einer
Faszinierend ist daran auch, dass dadurch gezeigt werden kann, dass ein Seelenweg heute nicht nur eine etwa durch Meditation oder andere Übungen und Praktiken erreichbare Form der Spiritualität ist, sondern ein erst durch die Anerkennung der Bedeutung des Weiblichen und dadurch aus der Erfahrung unserer ganzheitlichen Leib-Seelen-Wirklichkeit heraus aufblühender Weg. Ein Weg, auf dem wir die
Anmerkung
1 Die Nähe des Begriffes „Ordo“ zu „Orden“ zu betonen, ist mir aus verschiedenen Gründen wichtig. Zunächst: ich gehöre selbst keinerlei solchem Orden an, obwohl mir zum Beispiel als Heilpraktikerin vieles aus der Natur- und Heilkunde der Hildegard von Bingen nahe ist. Außerdem habe ich in den frühen 90er-Jahren in einer Gruppe, dem „Isentum“, gelernt und gewirkt, in dem es um die Verwirklichung einer am Wesen des Weiblichen orientierten Lebensweise ging, und mich auch im Rahmen anderer kleiner Wachstumsgruppen gewandelt oder solche geleitet.
Hier möchte ich „Orden“ höchstens als inneren Zusammenhalt oder inneres Verbundensein, im Sinne eines geistigen Bündnisses, verstehen, das auch in schwierigen Zeiten helfen kann, „am Ball“ der eigenen Vision oder Lebensausrichtung zu bleiben. Für mich ein beständiges Erinnern im doppelten Sinne: an die Vision und den von Moment zu Moment sich entfaltenden Weg in das LeibGespür, das Zusammenwirken aller mehr oder weniger „Aufgewachten“ und unser aller Hineinwachsen in ein insgesamt liebevoll schöpferisches und unser Potenzial verwirklichendes Leben.
