GöttinVerwirklichung
Es sind zuerst die für jeden verständlichen „kleinen“ Beispiele, die uns hier auf die Spur des rechten Verständnisses führen können. Ich betrachte ja Eros und auch Agape als die zwei Kräfte der Liebe, die (jede durchaus für sich) die Kraft zur Zeugung – auch natürlich im Sinne von Erzeugung, des Nach-draußen-Bringens eines ihnen innewohnenden Verwirklichungsdranges – in sich tragen.
Denken wir dabei durchaus schon an kleine Gesten, wie: jemandem, den wir mögen, ein kleines Geschenk machen. Oder solche kleinen Muttertagsgedichte oder die ersten Kritzeleien des Kindes, Mami überreicht mit dem Spruch: „Hab’ ich für Dich gemacht“: All so was bis hinauf zu den Ebenen der Sozialfürsorge, der Mutter Teresa, der Nächsten- und Menschenliebe, die uns etwas tun lässt: zum Wohle der Menschheit etwas schaffen, erfinden, entdecken lässt: Hinter alldem steckt als heimlicher Antrieb – und sei es nur als unbewusster Wunsch – jene Art der Liebe, die wir als Agape verstehen.
Natürlich lässt sich hierbei, je nach Alter, individueller Situation, Befindlichkeit, auch das Schaffen von etwas, angeregt durch Eros verstehen: das schüchterne kleine Blümchen, das der „nett“ gefundenen Mitschülerin heimlich hingelegt wird, das ungelenke Gedicht des Primaners, selbst die sportlichen Herumturnereien vor den Augen der Mädchen, deren Gefallenwollen, Geschminke und was alles: Eros macht sich sehr früh schon auch hier bemerkbar, zieht die Fäden, drängt uns zu Handlungen. Und wenn dabei dann für dieses oder jenes ein Talent entdeckt wird, eine Freude an solchem Tun, dann mag das fürs ganze Leben bestimmend werden und in einer reineren Form von Agape im Sinne einer Verwirklichung in größerem Rahmen münden.
Es zeigt sich also Liebe insgesamt als die zweite der dreieinigen FeuerWirbelKräfte hinter der seismonomen Membran, die ich als den eigentlichen Kern, im Sinne von „Herz“ unserer menschlichen Seele verstehe. Als eine Art persönliche Hinwendequalität von
Also:
Andererseits können wir uns GöttinAgapeLiebe auch ganz persönlich nicht nur als Schöpferin, sondern als fortwährend tätige „weise Führerin“ vorstellen, ja sie tatsächlich als „die Führungskraft“ (Chefin) (!) unserer Leibganzheit, unseres ganzen Lebens erkennen. Denn wir sind durch „Sie in uns“ als leibhaftig spürende Selbste in der Lage, zu Ihr eine Beziehung aufzubauen, uns von Ihrer weisen Liebe durchs Leben führen, leiten und begleiten zu lassen und in diesem Bewusstsein und Gewahren zu leben und zu wirken. Ja mehr noch: Indem wir lernen, aus dieser Liebes-Quelle, also letztlich aus dieser unserer kosmischen Mitte, bewusst zu schöpfen, damit das im „Dazwischen“ zunächst nur vage von Ihr Erspürte auch wiederum nun selbst schöpferisch Form annehmen zu lassen, wirken wir mitgestaltend an ihrem ewigen schöpferisch-liebenden Wirk- und Werde-Werk.
Ich meine damit – etwas sachlicher ausgedrückt und etwa in Anlehnung an Henri Bergson und andere – , dass
Liebe ist die Seelen-E-Motion an sich, die uns in die absolute Selbst-, Seelen-, GöttinVerwirklichung hinein„treibt“, uns auf sie ausrichtet, oder, je nach Eros-Beteiligung, auch zu ihr zieht! In unser Inneres Selbst und zu Ihr im Anderen, im Gegenüber, zum „Liebes-Du“ und immer wieder in die Erfahrung des Allverbundenseins!
Sie ist also die führende und ver-führende der dreieinigen Feuerwirbelkräfte! Für uns natürlich am gelingendsten, am schönsten lebbar, wenn wir eine liebevolle Beziehung zu dieser „unserer Führerin“ (als unserem SeelenSelbst) aufbauen, kultivieren und pflegen. Und Ihr vielleicht auch immer wieder in ähnlichen schwingenden Dus begegnen. Ich erinnere an dieser Stelle an den Psychologen Abraham Maslow, den Begründer der „positiven Psychologie“ und seine Darstellung der menschlichen Bedürfnis-Pyramide. Und ich sage demzufolge, Agape sei die Grundmotivation, also Bewegkraft (lateinisch movere: bewegen), die uns dazu führt, unsere Bedürfnisse, Gefühle von Mangel oder Sehnsucht zu stillen. Die also auf die Erfüllung beziehungsweise Beseitigung dessen „zielt“, was uns fehlt, was uns ängstigt. Maslow beschreibt das als eine „Pyramide“ mit den unteren Ebenen der Grundbedürfnisse, wie das Notwendige zum Erhalt des Lebens (Nahrung, Dach überm Kopf, Krieg beenden …), bis hin zur „Spitze“ einer jeweils durchaus individuellen Verwirklichung „höherer“ und „höchster“ persönlicher Bedürfnisse: Selbstverwirklichung, Erleuchtung, Liebesverwirklichung, GöttinVerwirklichung im Yin-Yang-Tanz, schöpferisches Gestalten neuer Wirklichkeit, Erfüllung unserer höchsten Visionen – eben je nach des Menschen Reife, Wollen, Wille, Lust, Sehnsucht und in ihm angelegten Potenzials!
Wenn wir also die Liebe auch diesbezüglich als richtungsweisende Kraft ansehen, so ist sie letztlich eben nicht nur „das Herz“, „die Mitte“, der „Urstoff der Seele“, sondern auch diejenige Kraft, die uns treibt, uns möglichst alle grundlegenden Bedürfnisse, in die Sie uns qua unserer Existenz gestellt hat, zu erfüllen. Die uns, ist dieses einigermaßen gelungen, weiter anreizt, nach Verbundensein mit einem/vielen Mitmenschen und Lebewesen zu streben, nach Wahrheit, Schönheit, Weisheit und Selbst-Seelenverwirklichung zu suchen, ja endlich die Fragen nach dem „Wer bin ich, woher komme ich, wohin gehe ich, wozu bin ich eigentlich wirklich hier?“, also letztlich transzendentale, metaphysische Fragen und dem Sinn meines Lebens zu stellen. Und hier Antworten zu suchen und auch zu finden.
Die Liebe als Eros und Agape umfassende Daseinsmacht führt uns also in dasjenige hinein, was wir für das Wesentliche halten. Sie weist uns die Wege der Suche hin zur Erfüllung unserer höchsten Güter, treibt uns in die Entwicklung unseres Potenzials, zur Realisierung unserer Visionen und Berufungen. Wenn wir uns Ihr und Ihrer Liebe anvertrauen und hingeben, führt Sie uns zu unserer seelischen Reife, indem Sie uns immer wieder neu dazu bringt oder zu dem hinleitet, was unser „nächster Schritt“ ist, um das, was uns bestimmt ist, zu verwirklichen.
Der grundlegende erste Schritt zur Realisierung der Leibganzheit:
der „Abstieg“ in den Körper, ins SelbstSeelenGespür, die Liebesquelle
Wie sich Eros realisiert bis zur Sexualität, habe ich schon dargestellt. Ebenso die Bedeutung des Fühlens im Sinne von Gendlins „felt-sensen“ dessen, was sich im Körper „inkarniert“ = materialisiert dadurch, dass wir Sie innerlich auf uns wirken lassen. Dass wir Sie, in welcher Ihrer Ausdrucksweisen auch immer, über unser SelbstSeelenGespür leibhaftig wahrnehmen, uns Ihrer als unseres wahren Seins bewusst werden und dann aktiv wiederum in all den schöpferischen Gestaltungen gewissermaßen „outen“, also zur Welt bringen.
Wenn nun auch im Laufe der Jahrhunderte schon viele mögliche Wege zur Beantwortung der oben angesprochenen Fragen und/oder sogar der Verwirklichung der genannten höchsten Ziele erkundet und propagiert wurden und überwiegend auch heute noch in den verschiedenen Religionen, Kulten, auch in mehr oder weniger „wissenschaftlichen“ „Beweisführungen“ lebendig sind, so kann ich doch nicht verkennen, dass alle diese Wege drei große Mängel aufweisen und vielleicht auch deswegen eigentlich von vielen Menschen nicht wirklich geglaubt beziehungsweise zufriedenstellend gegangen werden können.
Der eine Hauptmangel besteht darin, dass bisher unsere Leibganzheit nicht gesehen und auch die Ganzheit zwischen Mensch, Natur und Kosmos nicht genügend berücksichtigt wird.
Der zweite große Mangel besteht darin, dass alle bisherigen Vorschläge letztlich auf patriarchalen, männlich orientierten Denkmustern beruhen und Frauen, keine sie würdigende Repräsentanz – und damit für sie akzeptablen Wege dahin – finden.
Das dritte Defizit, von dem ich spreche, besteht nun aber darin, dass nach wie vor besonders der Begriff „Seele“ seines transzendenten, metaphysischen Gehaltes beraubt und in die „Niederungen“ der Psyche herabgestuft worden ist. Und dass damit sowohl die Erkundung des größten Teiles unseres Selbst, nämlich unser Unbewusstes, allenfalls in die Hände der Psychotherapeuten und Mediziner gelegt, also in die Nähe zu etwas Unnatürlichem, ja Krankhaftem gerückt worden ist. Und schließlich eben dadurch auch eine – durch die Seele im ursprünglichen Verständnis gegebene – Beziehung zu etwas Göttlichem, also die Suche nach GOTT und seiner letztlich liebevollen Beziehung zu seiner Schöpfung – einschließlich uns Menschen – fast nirgends mehr von Bedeutung zu sein scheint.
Zwar gibt es, vor allem (in Europa) seit den Zeiten der Romantik angeregt, durchaus beachtliche Versuche, den einen oder anderen Punkt dieser Mängel zu beheben.
Beispielhaft erwähnen möchte ich die Erkenntnisse Sigmund Freuds, C. G. Jungs und Erich Neumanns, eine ganze Reihe von Philosophen, von Kant, Schiller und Hegel bis zu Henri Bergson, aber auch den Theologen Teilhard de Chardin und den Naturwissenschaftler Werner Heisenberg.
Dennoch befriedigen diese Versuche nicht in allen drei oben genannten Punkten.
Die aufbauend auf Freud hauptsächlich von Jung und seinen Schülern intensiv erforschten Traumanalysen zum Beispiel haben wohl weitere Wege in die Tiefen des Unbewussten – vor allem auch auf der ganzen Welt im sogenannten kollektiven Unbewussten – erschlossen. Und Erich Neumann hat mit seinen beeindruckenden Erkenntnissen besonders zum Archetypus der „Großen Mutter“ gerade dem Aspekt des Weiblichen in den religiösen Vorstellungen alter Zeiten unschätzbare Verdienste erworben. Erwähnen möchte ich noch Marija Gimbutas und, aus jüngerer Zeit, Heide Göttner-Abendroth.
Schließlich hat die Jung-Schülerin Jolande Jacobi unter anderem mit ihren Arbeiten zur „Bilderwelt der Seele“ gezeigt, dass sich das Unbewusste nicht nur in Träumen oder, wie schon von Freud gezeigt, in Fehlhandlungen und Ähnlichem, sondern in jedem bildnerischen Schaffen verwirklicht! Ja es wurde klar, dass es sich nicht nur in Bildwerken der Malerei und Plastik, sondern auch in Tanz oder Dichtung (und, weniger erkennbar, aber doch in dem, was sie in uns erwecken kann, in der Musik) manifestiert. Das heißt, dass es, wenn auch nicht unbedingt „expressis verbis/figuris“, doch stets als „wirkliche Wirklichkeit“ in ihnen steckt.
Und mehr, denn ich nenne schließlich noch Josef Beuys. Er hat nämlich wie kein anderer unser Denken über das Unbewusste noch einmal dahingehend erweitert, dass er konstatiert hat, es „stecke“ nicht nur in jeder Art von Kunst, sondern, eroagapös, in jeglichem schaffend-kreativen Tun des Menschen. Sein berühmter Ausspruch „Jeder Mensch ist ein Künstler“ bedeutet ja nichts anderes, als dass jeder Mensch auf dem ihm vom „Schicksal“ =
Wenn Neumann zum Beispiel das „kollektive“, noch magisch-mythische Gespür anspricht sowie dessen reale Konkretisierung in bildnerischen Gestaltungen, besonders von Archetypen, in Mythen, Kulten, auch Bauwerken und so weiter. Ähnlich verhält es sich mit Hanscarl Leuners Katathymem Bilderleben, denn das sind ja tatsächlich weder Träume noch etwa das spontane „Herauslassen“ eigentlich „zufälliger“ Bewegtheiten oder sogar mechanischer Automatismen, sondern ein bewusstes, aktives Tun („Bildern“ genannt). Und ist dieses wiederum ein Übergang auf die Ebene der Gestaltung mit/durch „Material“ (im Tanz: dem eigenen „Körpermaterial“).
Das kann dann vom rituellen religiös-magischen Tanz des „Medizinmannes“/der „Medizinfrau“/des Stammes bis zur Beschreibung solcher Vorgänge als eines Yin-Yang-Tanzes, wie ich es tue, ja überhaupt zur modernen, auch (gerade!) abstrakten „religiösen Kunst“ gehen.
Nehme ich nun all das zusammen, kann ich nicht umhin, bei all diesen Dingen unbewusst-seelisches Wirken zu erkennen auf seinen Wegen aus den tiefsten Tiefen unseres Unbewussten über erspürtes Gewahrwerden, träumend-schwankende Gestaltungen im Schlafe bis hinauf oder hinein in unser Bewusstsein, welches sich endlich mithilfe unseres „männlichen“ Aktions- = Zeugungspotenzials in stoffliche Wirklichkeiten verwandelt. Und dadurch auch bei jenen, denen es dann wiederum auch gegönnt ist, diesen Prozess anzuregen beziehungsweise voranzutreiben.
Nun gehöre ich nicht zu jenen, die eine Entstehung von etwas aus dem reinen Nichts – also die berühmte „creatio ex nihilo“ – annehmen, sondern ich sehe hier einen Prozess, in welchem sich eine unendliche Schöpferkraft im Menschen inkarniert und durch diesen weltgestaltend wirkt. Und ich glaube ausreichend gezeigt zu haben, dass es durchaus nicht nur legitim, sondern in der heutigen Zeitsituation auch höchst geboten ist, diese Kraft so, wie ich sie tatsächlich erlebe, nicht mehr als patriarchalen GOTT oder als Weltgeist wie Hegel oder als Elan vital wie Bergson anzunehmen, sondern als die unendlich schöpferische, liebende
Genau hier muss ich allerdings noch einen wesentlichen Aspekt beleuchten, der, trotz aller Dominanz des Weiblichen, nicht plötzlich aus dem Blick geraten darf. Ich meine jenen Sohn-Aspekt des Göttlichen, der zwar seit Jahrtausenden im Vordergrund auch der meisten Religionen steht und die Basis jeglichen Patriarchats und aller Frauenunterdrückung bildet, der aber gleichwohl im Leben als auch in der gesamten Schöpfungswirklichkeit eine durchaus entscheidende Rolle spielt, und ich spreche, angelehnt wieder an C. G. Jung, vom „animus“, also dem männlichen Aspekt oder Anteil der Seele und folglich von
Vorstellbar wird uns dies, was die Ägypter in der Geburt des Osiris durch seine Mutter, die Allgöttin Isis, als generelles Weltgeschehen verehrten, natürlich genau durch die Tatsache, dass auch Söhne: Männer von Frauen geboren werden, was im antiken mythologisch genealogischen Sinne aber nur so vorstellbar war, dass es sich um Zeugungsbegegnungen entweder zwischen Müttern und Söhnen, Töchtern und Vätern oder zwischen Geschwistern handeln konnte.
(So kommen sowohl die Bibel als auch Mythen weltweit um diese Problematik eines Inzestes nur herum, indem sie dem obersten Schöpfergott die wundersame Fähigkeit, geistige Zeugungen und Jungfrauengeburten zu bewerkstelligen, verleihen! Damit wird implizit die eigentlich heilige [!] Schöpferwirklichkeit des männlich-weiblichen Zusammenwirkens beim Schöpferprozess geleugnet und dem Geist oder männlich Göttlichen werden widernatürliche Eigenschaften zugeordnet.)
Wie dem auch sei, es ist evident, dass ein wie auch immer zu denkender männlicher Aspekt oder Anteil, jedenfalls nach unserer derzeitigen Vorstellung, an jedem Schaffensprozess, jedem Erzeugungsvorgang notwendigerweise genuin beteiligt ist.
Da es mir hier aber nicht primär um Aspekte der Biologie geht, sondern um seelische, insgesamt um innerpersönliche und metaphysische Dinge, werde ich mich dem Aspekt des „Männlichen“ im Wesentlich unter diesem Gesichtspunkte zuwenden. Also allenfalls analog zum Biologischen von einer „Zeugungskraft“ als Bestandteil der Göttlichen Liebe sprechen.
Und damit komme ich zum letzten der drei inneren FeuerWirbelKräfte, nämlich der mit-schöpferischen und unabdingbaren Kraft unserer erzeugend wirkenden bewussten Wahrnehmung und aktiven Verwirklichungs-Wollenskraft, die ganz wesentlich zu unserer Leibganzheit gehört: und die ich eben hier in Anlehnung an die Biologie Zeugungskraft nenne.
