SelbstSeelenGespür

Die Reise zum Selbst, zur Seele, zu GÖTTIN ist eine Reise in den inneren Kosmos!

Im Menschen vervollkommnet sich GOTT.  
John O`Donohue

Frei sein

Als unser SelbstSeelenGespür bezeichne ich das, was mich nach und nach dahin führt, in einer ganz wesenhaften, authentischen und ursprünglichen Weise nicht nur unsere momentane innere Wahrheit und Wirklichkeit im Sinne von Echtheit zu erfahren, sondern auch zu erkennen, dass sich in uns wiederum dadurch ein Bewusstsein, ja ein reales Gefühl dafür einstellt, dass in uns tatsächlich ein höchstes seelisches Potenzial zugänglich ist!

(„Im Dazwischen liegt das SelbstSeelenGespür“, Abschnitt zum Felt Sense)

Bisher habe ich gezeigt, dass, wenn wir in dem, was wir wirklich sind, also unserem Leib als Ganzem, angekommen sind, dort, im Raum des Dazwischen, in einen spürenden Bewusstseinszustand gelangen können, in dem wir, zwar noch relativ alltagsnah, also nicht in Trance oder Meditation, dennoch „Botschaften“ aus unserem tieferen Selbst, letztlich der Göttin/Seele begegnen. Ja Sie, durch die seismonome Membran vibrierend, oszillierend, resonierend, unmittelbar spüren können. Und dass das einerseits umso leichter geht, je mehr wir nicht nur vorher von heteronomen Prägungen frei sind, sondern vom auch im autonomen Zustand natürlich stets vorhandenen „Alltagsballast“ für eine gewisse Zeit loslassen können. Also unser Aufmerksamkeits-, Denk- und Grübelbewusstsein unterbrechen konnten, sie quasi „enthäutet“ haben, sodass sie leicht geworden sind, wodurch jener innere Resonanzraum als ein gedankenleerer, aber fühloffener „Freiraum“ (Gendlin) entstanden ist. Denn es gilt auf dieser „Ebene“: je „formloser“, leerer, lauschender und empfänglicher wir nach innen sind, desto näher können wir Ihr sein, desto leichter kann Sie zu uns durchtönen, uns „per-sonieren“! (Lateinisch per-sonare: durch etwas hindurchtönen)

Um noch einmal das erste „Ziel“ dieser ganzen Reise in Erinnerung zu rufen: Es geht ja anfangs darum, in einem intensiven Prozess der Arbeit an sich selbst auch mithilfe entsprechender Körperarbeit immer mehr von den sich in uns auch körperlich festgefressenen Prägungen, Verspannungen, Denk-, Fühl-, Meinungsweisen, ja auch Charakterzüge aus uns zu entfernen. Also dieses heteronome „Ich“ mit all seinen Kümmernissen, Fremd-Prägungen und Engen mehr und mehr hinter sich zu lassen und dadurch ein starkes, autonomes, vor allem selbstbestimmtes (!) Ich zu werden. Und dann auch ein Ich, das sein ihm göttlich gegebenes Schöpferpotenzial erkennen kann! ( Vergleiche dazu besonders Alexander Lowens Buch Bioenergetik – Therapie der Seele durch Arbeit mit dem Körper, siehe Literaturverzeichnis.)

Mir ist klar geworden, dass Letzteres, also vor allem das Gewinnen eines reifen Gesamtselbst und in diesem wiederum ein Zugang zum innersten GöttinWesen uns – vor allem uns Frauen – nie und nimmer ohne die Rückkehr in den Leib, zum authentischen, persönlichen KörperSelbst – zu dem, was „ich wirklich, wirklich bin“ – gelingen kann. Und damit zur „Göttin in mir“ (Rickie Moore), in unseren inneren, besonders unser weibliches Wesen bestimmenden Kosmos!

Vor allem Frau kann nur ganz und gar heilen, wenn sie wieder in Beziehung zu Ihr, dem kosmisch-spiralig-schöpferischen FeuerWirbel kommt, der AllEinen, der SchöpferGöttin! Wenn wir Sie in unserem Inneren, im erlebbaren ganz persönlichen Mikrokosmos, nämlich im Unbewussten, finden, und so wissen, dass Sie da ist, dann können wir auch eine liebevolle Beziehung zu Ihr aufbauen und dadurch eine Art feinstofflich-seelische Nabelschnur wieder „re-installieren“. Ich könnte auch sagen: unser inneres „Antennensystem“ restaurieren, es mehr und mehr in Ihre Richtung feinjustieren und Sie auf diese Weise praktisch einladen, mit uns in immer mehr empfindbaren und uns führenden, uns helfenden Kontakt zu treten.

In diesem sich entfaltenden Prozess ist also das Empfinden, Spüren, Fühlen entscheidend. Und das nenne ich unser SelbstSeelenGespür und verbinde damit die Hoffnung, dass es, einmal gefunden, lebenslang bleibt als Grundlage und gleichermaßen Öffnung oder Tor in unser, das heißt Ihr Tiefenreich!

Immer wieder benutze ich solche Ausdrücke wie: innerster Kern, innerer FeuerWirbel, jetzt Tiefenreich. Es sind ja Wörter, die allesamt ausdrücken sollen, dass ich konsequent unsere allgemeine Sicht auf uns selbst, vom Äußeren ins Innere und Innerste als vertikale, in die Tiefe hinabsteigende Bewegung verstehe! Wir haben uns zwar angewöhnt, „vertikal“ von uns als von einem Oben (Kopf) und Unten (Füße) zu denken. Ich nehme aber in meiner ganzheitlichen Sicht eher jene andere Orientierung ein, die spiralig oder konzentrisch von außen nach innen verläuft bis zu einem innersten Kern.

Natürlich wäre es noch richtiger, sich eine Art Trichter vorzustellen, wie er in meiner Abbildung „Schalen-Spiral-Modell 3“ in „Das Schalenspiralmodell des menschlichen LeibSeins“ unter dem Menüpunkt LeibSein dargestellt ist. Und der Vergleich mit Jules Vernes „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ wäre auch eine schöne Metapher.

Also: Die Reise zum Selbst, zur Seele/Göttin verläuft darüber, dass wir in unsere ans Kosmische angeschlossene Innenwelt hineintauchen. In die Tiefen unseres immer feinstofflicher werdenden LeibSeins. Um Sie dort in uns zu erfahren! Ohne diesen bisweilen nicht immer angenehmen „Abstieg“ heilen wir nicht tief, werden wir nicht „ganz ganz“. Kommen wir also nicht über jenes schon beschriebene Authentisch-Sein mit unseren wahren Gefühlen und Gedanken, also der genommenen ersten Hürde der Reise, hinaus! Es ist für das tiefere Ganzwerden nötig, dass wir der Schwelle zum Unbewussten erlebend ganz nah kommen, dass wir uns aktiv auf den Weg dahin machen und uns zu allererst einen Teil unserer ganz ursprünglichen Instinkt-Kraft zurückholen, die teilweise dem ähnlich ist, was vielfach als „weiblicher Instinkt“, siebter Sinn oder allgemeiner als „Bauchgefühl“ bezeichnet wird.

Die noch patriarchal gefärbte Helden- oder Heldinnenreise der bisherigen Archetypen-Lehre hat nun aber gerade die Spürteile, die das Selbst der Tiefe beziehungsweise die Seele verkörpern, entwertet, zerstückelt und gänzlich zu entmachten versucht. In vielen Volksmärchen wurden nämlich vor allem die machtvollen, Ehrfurcht einflößenden Teile der alten FeuerWirbelGöttin zur bösen Hexe, in Mythen zu Ungeheuern, zum fliegenden Drachen, in der Bibel wurde „Eva die Führende“ zu der Eva „ver-führenden bösen Schlange“, (die ja eingerollt, tatsächlich wie eine lebendige Spirale ist, wie die eingerollte, noch schlafende Kundalini-Göttin) oder zumindest zur „schrecklichen Mutter“ (Erich Neumann) anstatt zu einer guten, dem Leben dienenden Liebes-, Wandlungs- und Schöpferkraft, wie etwa noch im Märchen von „Frau Holle“. Und die Unterwelt, das Tiefenreich der Göttin, aus dem immer wieder neues oder regeneriertes Leben hervorquillt und in das Totes wieder aufgenommen wird, wurde zum männlichen Hades, dem Schattenreich oder gar zur teuflischen Hölle anstatt zum Reich von Frau Holle, Baba Jaga oder anderen Wald- , Höhlen- und Unterweltsfruchtbarkeitsgöttinnen, zu denen auch Tlazolteotl, die aztekische Erdgöttin der Fruchtbarkeit, Sexualität und Leidenschaften gehört, Šawušga, die hethitische Göttin der sexuellen Liebe, der Fülle, der Nahrung, aber auch der Wildnis oder die mesopotamische Ereškigal, die Unterweltschwester der Himmelsgöttin Inanna und wie sie noch alle heißen. Deren ursprüngliche, leidenschaftliche Lebens- und Wandlungsweisheit kennt heute kaum mehr jemand, geschweige denn, dass sie gewollt verwirklicht wird.

Sawuska © Luisa Francia

Deshalb meine ich, ist es erst einmal nötig, darzustellen, was das Selbst im Zentrum unseres Unbewussten, unseres inneren „Weltraums“, eigentlich ist. Und vor allem: es wieder gut zu machen, sein positives Vermögen, „den goldenen Schatz“ zu entbergen und deutlich zu machen, dass wir – vor allem wir Frauen – ohne diesen Bezug zur Göttin der Tiefe, die unsere weibliche Urkraft verkörpert, nie wirklich selbstbewusst und selbstbestimmt leben können!

Eigentlich ist es, um mit Hans Peter Duerr zu sprechen, die Hagazussa, die „Zaunreiterin“ oder „Heckensitzerin“, die „in zwei Welten zu Hause ist“, mit der wir uns wieder identifizieren könnten.1 Mit einem Bein sitzt sie „im Hag“, dem für die allermeisten einzig existenten Lebensbereich, und mit dem anderen „in der Wildnis“ oder schamanischen „Anderwelt“, womit das gesamte Göttinland des Unbewussten, in allen Gebirgshöhen, Meerestiefen und weiten, kosmischen Dimensionen gemeint ist.

Aus meiner Sicht wäre eine neue Hagazussa“ (!) ein stimmiges Sinnbild oder sogar mächtiges Wirk-Leitbild für alle Frauen, die wieder zu ihrer wahren Natur und ihren weiblichen Kräften, ja ich sage mal: zu ihren göttlichen Urinstinkten zurückgefundenen haben. Die dann aus diesen schöpfen und das Gefundene ins Bewusstsein heben, ihm Be-deutung geben und diese Erkenntnisse dann auch mit anderen teilen.

Und natürlich auch für Männer, die es vollbringen, gleichfalls ihr eigenes Zentrum zu entdecken und die es ebenso als weiblich-göttlich erkennen und annehmen, gilt, in etwas anderer Ausprägung, das Gleiche. Sie müssen sich ja nicht unbedingt als „neue Magier“ oder leiblich gewordene „Göttin-Mystiker“ empfinden, sondern können, wie die Frauen, in allen Lebensbereichen, in die sie gestellt sind, liebevoll schöpferisch wirken.

Für beide aber gilt leider in den jetzigen Zeiten, in denen weitestgehend noch die alten patriarchalen Muster und Gottesvorstellungen herrschen, dass sie als wirklich freie Menschen, die zu sich selbst und diesem neuen Paradigma stehen, dafür auch immer wieder Alleinsein, Spannungen und Ablehnung aushalten müssen. Dass sie also bereit sein müssen, die Risiken und Folgen auf sich zu nehmen, die eine solche freiheitlich weiblich orientierte Seinsweise und Lebenshaltung mit sich bringen kann. Denn man muss sich schon darüber klar sein, dass das Patriarchat und damit alle diese jahrtausendealten Göttervorstellungen, die damit verbundenen Machtstrukturen, Gesetze und internalisierten Gebote und Verbote nicht so einfach bereit sind, ihre Herrschaft aufzugeben. Dass sie Widerstand leisten, auch in einem selbst. Ja oft gerade in jenen Menschen, die ernsthaft auf der Suche nach dem sind, was die Welt und ihr eigenes Inneres zusammenhält. Und dass sich nicht selten gerade durch diese patriarchalen Strukturen ins Negative gewendete archetypische Innenbilder kraftvoll und erschreckend hervortun.

Es ist zwar eine Tatsache, dass wir erst dann wirklich bedingungslos kraftvoll aus tieferen Schichten des „inneren Kosmos“ schöpfen können, wenn wir erkennen, dass solches Schöpfen, ja schon die Begegnung mit jener tiefen Welt sowohl eine „himmlisch-helle“ Seite besitzt, aus der wir Führung, Göttin-Liebe und ekstatisches Wandeln erfahren können, als auch eine „unterweltlich-dunkle“ Dimension von Göttin. Und obwohl diese, meist noch durch jene patriarchalen Verformungen verstärkt, ängstigend, abschreckend, manchmal quälend schmerzvoll erscheinen und auch tatsächlich sind, können sie doch, einmal als Aspekte von Göttin erkannt, zu neuer, tieferer Transformation führen. Zu einem Geschenk an Erkenntnis, Bewusstheit, Lebensweisheit werden, das wir manchmal tatsächlich eher aus den „dunklen Nächten unserer Seele“ oder der Nacht- oder Mondgöttin-Seite, der kosmischen AllEinen als aus ihrer hellen Seite gewinnen. Erst in der Erfahrung, dem Durchleben und einer beruhigten Erkenntnis, dass auch in diesen Erscheinungsformen von Göttin Hell und Dunkel, Ying und Yang, wie im Symbol des asiatisch-taoistischen GanzheitsKreises, erst Sie als Ganze ausmachen, finden wir nämlich auch für uns selbst die Möglichkeit einer grundsätzlichen tiefen Bejahung Ihres, unseres und damit des gesamten Seins. Durch die Integration aller Seiten, Aspekte, Erscheinungsformen Ihres Erd- und Himmelslichtes werden auch wir zu einer schöpferischen Ganzheit und können dann erst – auch im Zusammenwirken mit einem ähnlich-anderen Partner/Gegenüber in einem menschlich-persönlichen Yin-Yang-Austausch wirklich Neues erschaffen.

Anmerkung

1     Vgl. wieder Hans Peter Duerr: Traumzeit; Gertrude R. Crossier: Psychotherapie im Raum der Göttin.