Grundlegendes

Persönliches 2

Der Ruf der GÖTTIN – eine Wanderung durch ein noch ziemlich unbekanntes Gebiet

Weisse Göttin

Wie ich unter „Persönliches 1“  angedeutet habe, hat es eines sehr langen Prozesses bedurft, bis ich realisiert habe, dass und auf welche Weise mein Beruf, meine spirituellen Erfahrungen und auch mein Wissen, das ich mir in intensivster Auseinandersetzung mit aller möglichen mir zugänglichen Lektüre wie auch durch meine Freundschaften, durch Gespräche und die Zusammenarbeit mit lieben Menschen erworben habe, mit der mir bewusst gewordenen Berufung zu tun haben.

Und dass und wie sehr alles das auch und gerade mit meiner Biografie, also meinem Wesen und Geschlecht als Frau, zu tun hat. Und mit viel Leid, das mir gerade auch daraus erwachsen ist.

Zwar war mir schon lange bewusst, dass sich eine Art weiblichkeitsbetonte Spiritualität wie ein roter Faden durch mein Leben zieht und dass sie, ausgehend von meiner Mutter und vielen ihrer Erzählungen, ihrer Gottes-Mutter-Maria-Verehrung oder auch vielen kraftvollen Frauen in beiden Ahnensträngen meiner Familie, schon früh leiblich wirkend und führend für mich war.

Gleichermaßen ziehen sich durch mein Leben aber auch viele schmerzliche Erfahrungen, die mir gezeigt haben, dass eine wirklich weiblich orientierte, also auf einer weiblichen Göttlichkeit basierende Religiosität schon lange nicht mehr existiert. Zwar wurde dieses „göttlich Weibliche“ oder weiblich Göttliche, für dessen Lebens- Liebes- und Wirkkräfte die Göttin ja als Symbol steht, in früheren Zeiten weltweit verehrt und angebetet, es verschwand jedoch im Laufe der Geschichte nicht nur aus aller Munde, sondern auch aus allen großen Religionen und spirituellen Traditionen. Und das Göttliche wurde und wird immer noch entweder personal männlich als Vater- oder Herr-GOTT oder unpersönlich als Geist und Buddhanatur begriffen, symbolisiert, angebetet und auch als oberste Gesetzgebungs- und Richterinstanz verherrlicht. (Oder gefürchtet!)

Nun geht es aber doch in den Religionen und aller Spiritualität nicht nur um Ethik und Moral, sondern auch, ja gerade um die höchsten Werte und Ideale des Menschen und um seine Beziehung zu und sein Zurückbinden (lateinisch religare) an das Ursprüngliche, das Ewige. Also auch an das noch nicht Erschienene, dennoch immer gegenwärtig Implizite. Und um Wege der Selbstfindung und höchsten Verwirklichung. Und besonders davon fühlte ich mich als junges Mädchen und dann als Frau immer schon angezogen. Ich empfand mich jedoch gerade diesbezüglich in allen spirituellen Traditionen, die ich kennengelernt habe, nicht wirklich zu Hause, weil sie wesentlichen Seiten vor allem meines Seins als Frau, meines Fühlens und Erlebens und auch meiner Sehnsucht nach einer erfüllenden, ja für mich bestimmten Aufgabe im Leben sowie einem Zuhausegefühl im Universum weder Platz noch Entfaltungs- oder gar Verwirklichungsmöglichkeiten boten.

Aus diesem leidvollen Erleben heraus habe ich mich schon seit Jahrzehnten auf den Weg gemacht, nach diesem Fehlenden zu suchen, und bin so auch der Spur der Göttin gefolgt und habe mich schließlich in Ihren Dienst gestellt.

Nun kann ich aber nicht leugnen, dass ich auch in den bestehenden Religionen und spirituellen Traditionen viel Wertvolles, Wahres und Gutes gefunden habe. Und auch im Rahmen meiner humanistischen, tiefenpsychologischen und körperorientierten psychotherapeutischen Arbeit habe ich vieles erlebt und gelernt, was mich mir selbst und meiner Suche nähergebracht hat. Schließlich habe ich mich darangemacht, all das zusammenzutragen und zu einem spirituellen Paradigma und Weg zu verweben, die sowohl dem weiblich Göttlichen den Stellenwert zuordnet, der ihm im Rahmen des Lebens und Geistes zusteht, als auch die Schätze der bisherigen Traditionen aufzugreifen, zu überprüfen und zu integrieren gestattet.

Seit dem Jahr 2021 bastle ich also an einer Homepage mit dem jetzigen Titel „Werkstatt für einen Lebens-, Liebes- und Schöpfer-Weg“, wobei ich versuche, auch das über Jahre hinweg zu unterschiedlichen Themen und Motivkreisen Entstandene in einen kontinuierlichen Text einzuarbeiten.

Doch erst jetzt sieht es so aus, dass ich die ersten Ergebnisse davon vorlegen kann.

Entscheidend für diesen Entschluss war, als mir nicht nur sprachlich, sondern auch tief in mir gefühlt klar wurde, dass die Bedeutung des Wortes „Psyche“ ursprünglich „Seele“ ist.1

Und dass damit das Wort „Psychotherapie“, also meine entsprechende Ausbildung, mein ganzer Beruf als „Seelen-Heilkunde“ im wirklichen tief gefühlten Wort-Sinn nicht nur diese bis ins Transzendente, eben Religiöse reichende Bedeutung hat, sondern tatsächlich auch für mich persönlich gilt! Also Sinn und Ziel, ja, wenn ich so sagen kann, die Quintessenz meines bisherigen Weges, wahrscheinlich meines ganzen Lebens ist.

Das hat mir dann auch der Begriff „Therapie“ als Heilung im umfänglichen Sinn verdeutlicht. Und zwar sowohl im klassischen Sinn hinsichtlich einer ganzheitlich leiblichen Gesundheit beziehungsweise Gesundung als auch hinsichtlich einer psychisch-seelischen und auch gesellschaftlichen Genesung – Heilen – alles Weiblichen. Damit natürlich auch der Frau als solcher und ihres Selbstwertgefühls. Und hat es für mich schließlich geradezu evident gemacht, dass nur die Anerkennung der Frau, ihrer Bedeutung, ihrer Rolle und ihres Wertes in unserer Gesellschaft, besonders aber in den Religionen der Kern und die Grundlage jedes Weges zum Heil sein kann.

Ich möchte mit meiner Arbeit also gerade den Mut der Frauen stärken, sich mit diesen in ihnen selbst wesenhaft angelegten Möglichkeiten und Aufgaben auch verstärkt in die öffentliche Wahrnehmung zu stellen. Und auf diese Weise zu, ich könnte sagen: einer Wiedergenesung, einer Erneuerung der gesamten Gesellschaft beizutragen.

Die menschlichen Religionen
begannen mit der GÖTTIN,
weil die menschlichen emotionalen
Bindungen mit der Mutter beginnen.

Barbara Walker

Eifel-Matrone

Zum Erwachen der Göttin

Natürlich konnte ich erst nach und nach erkennen, dass sich in meinem beruflichen und spirituellen Weg die Etappen eines Weges spiegeln, die ich nun für Weg-weisend für einen Weg zur Göttin und zu tiefer Selbstverwirklichung halte.

Und ich kann heute auch erkennen, dass sich in ihm merkwürdigerweise auch ein großer geschichtlicher Prozess der Menschheitsentwicklung bezogen auf Religion, GOTT und Spiritualität spiegelt, der immer mehr wahrnimmt, dass es heute Not-wendig, also dringend an der Zeit ist, zu einer Spiritualität zu erwachsen, die die Göttin einbezieht, wenn nicht gar in den Mittelpunkt stellt! Weil Sie sich sowohl in unserem Leib und unserer Mitte als auch im schöpferisch-vereinenden Prinzip allen Lebens finden lässt. Und dass einzig eine solche an Ihr ausgerichtete Spiritualität uns wieder mit dem Lebendigen sowohl in uns persönlich als auch gesamtmenschheitlich, ja global mit aller Natur verbindet. Also zu einem positiven Weg in eine ganzheitliche geistige, seelische und soziale Entwicklung wird.

Damit das deutlicher werden kann, möchte ich vorab einiges Grundlegendes anführen, was ich mittlerweile unter Göttin verstehe. Denn dieses Verständnis hat sich im Laufe meines Lebens durchaus auch gewandelt.

Anfänglich war Sie für mich etwas, das personifiziert vorrangig das Fruchtbare, Zyklische und Liebevolle der äußeren Natur symbolisiert, vor allem die Fähigkeit des Gebärens und ewigen Sicherneuerns. Also den ewigen Kreislauf alles Lebendigen inklusive seiner zerstörerischen Kräfte, die auch eingebettet sind in die Gesamtheit allen Lebens im Sinne von Entstehen, Werden, Blühen, Vergehen, Sterben und Neugeborenwerden. Und als Frau wurde Sie mir als Große Göttin in ihrer Dreifaltigkeit, als Jungfrau, Mutter und Weise Alte, vertraut und wichtig und darin als Inbegriff von Liebe, Mitgefühl, Nährendem und allem Heilsamen.

Mittlerweile weiß ich aber, dass Sie mehr ist, nämlich in Ihrem tiefsten Wesen eine lebendig wirkende, immer anwesende, kraftvolle und vereinende sowie transformierende schöpferische Wirklichkeit!

Die wirkliche Wirklichkeit in Zeit und Raum wie auch jenseits von ihnen, im ewigen Jetzt. Ich nehme wahr, dass und wie Sie in der großen, also der äußeren Natur auf Erden und im Kosmos wirkt und waltet. Dass Sie aber in ganz besonderer Weise schöpferische Lebenswirklichkeit in uns Menschen ist: in mir, in jedem Einzelnen, in Mann und Frau. Dass Sie sich dabei besonders stark im weiblichen Geschlecht manifestiert und zeigt, ist aber leider noch nicht vielen vertraut. Erst recht nicht, dass jede Frau geradezu eine vermenschlichte Inkarnation von Göttin ist, in der sie sich ganz besonders „rein“ ausdrückt, dass sie allerdings in ihrer Essenz im Seelischen aller Menschen jederzeit unmittelbar für jeden zugänglich ist.

Ja noch mehr: Sie ist eigentlich alle Natur, und damit meine ich: sowohl alles Erschienene als auch alles noch nicht Erschienene, gewissermaßen Potenzielle. Wollte ich von „Eigenschaften“, sprechen, könnte ich sagen: fließend, anziehend, abstoßend. Auch verlebendigend, fortwährendes Verändern, zyklisches Werden. Ewiges Sein und Wirken, das im bewussten Yin-Yang-Tanz erfahren werden kann und wodurch Sie in uns selbst als auch in der Welt zumindest energetisch gemehrt wird. Denn Ihre göttlich liebevolle, schöpferische Energie wird ja nirgendwo abgezogen, sondern vermehrt sich sozusagen „durch Gebrauch“.

Etwas weniger lapidar ausgedrückt: Ihre beschwingende, inspirierende und einen erfreuende Heilwirkung ist sowohl unmittelbar spürbar als auch ausstrahlend und setzt sich, wenn auch oft „nur“ unterschwellig, als eine Art energetisches Fluidum dennoch weiter wirkend fort.

Ich habe gesagt: Ihre ausstrahlende energetische Wirkkraft. Es ist auch oft ein spürbares energetisches Zwischen, wie knisternde Funken, insbesondere dann, wenn dieses Fluidum von Mensch zu Mensch überspringt und sich dort als eine Art Sympathie oder gar erotischer Anziehung fühlbar macht.

Da nun aber das Weibliche zumindest seiner Biologie gemäß auf Befruchtung hin angelegt ist, kann ich durchaus auch sagen, es sei in einem sehr umfassenden Sinne zutiefst wesenhaft erotisch bestimmt. Eros aber wiederum als Prinzip des magisch-schöpferischen Lebens wurde in der christlichen Kultur am stärksten verdrängt, ja ist zumindest in laienhafter Vorstellung geradezu zum Teufel, dem Leibhaftigen, geworden. Gleichzeitig ist er aber in Bereichen des schöpferisch-kulturellen, ja teilweise auch im Volksglauben, weiterhin lebendig und wird in seiner besonderen Beziehung zum Weiblichen geradezu „angehimmelt“. Sei es als Musenkuss in Bezug auf alles schöpferisch-gestaltende Wirken, sei es in Form des Prinzenkusses in Märchen für die Erweckung jungfräulicher Figuren wie des schlafenden Dornröschen oder anderer schöner und liebreizender Gestalten.

Seitdem ich mich mit Archetypen als den allem zugrunde liegenden, uns aber überwiegend unbewussten Lebens- und Seelenkräften befasse, weiß ich, dass sie wirken und ihnen auch eine Art Autonomie zuerkannt werden muss, die den Menschen – meist eben unbewusst – bewegt und leitet. Und dass es durchaus fruchtbar und hilfreich ist, sich ihrer immer wieder, soweit es geht, bewusst zu werden und sie im Sinne kooperierender Partner ins eigene Denken und Handeln einzufügen. Und als Emanationen und Gestaltungen unserer Seele erkenne ich in den verschiedenen Archetypen sogar letztlich stets bildhafte Gestaltungen und Ausformungen der einen Großen Göttin, der All-Liebenden oder, wie Erich Neumann Sie genannt hat, Großen Mutter, in all ihren Lebens-, Liebes- und Wirkkräften. Seien es nun Gestaltungen als Herrin der Pflanzen und Tiere, seien es Archetypen des Weges oder des Wandels, des Selbst und der Seele. Oder, wie eben Animus und Anima: des Männlichen und des Weiblichen.

Mithilfe dieses Blickes auf archetypisches Wirken habe ich nicht nur erkannt, dass Göttin in der Natur anwesend ist und wirkt, sondern dass sie vor allem auch immer schon in menschlichen Gestaltungen ausgedrückt wird, in bildender Kunst, Musik, Literatur, ja in allem Gestalterisch-Musischem. Und vor allem auch dort, wo es darum geht, neues Leben oder Lebendiges hervorzubringen und zu schützen oder Neues zu gestalten. Dass Sie sich also längst Ihre Wege auch außerhalb des Religiösen gebahnt hat. Zwar erscheint Sie in religiösen Zusammenhängen immer noch in mehr oder weniger verehrten Formen, etwa als Gottes-Mutter Maria, der buddhistischen Tara in all ihren Aspekten und in Ihrer ostasiatischen Guanyin-Version zumindest als weibliche göttlich-heilige Kraft, Gestalt, Helferin. Aber eben nicht mehr und noch nicht unter Ihrer schlichten Bezeichnung als Göttin. Und auch nicht in dem Bewusstsein, dass es sich bei Ihr um das Ewig Weibliche als oberste Gottheit handelt, der eigentlich die Priorität in unser aller Leben zugestanden werden sollte!

Ich möchte aber auf diesen Seiten dezidiert dazu beitragen, dass Sie als solche erkannt und heute wieder explizit als Göttin bezeichnet und verehrt wird. Und ich möchte zeigen, dass genau das Ihre magischen Heil-, Wirk- und Lebenskräfte in uns, in Frauen und Männern, und der Natur insgesamt zum Blühen bringen kann. Bewusstsein und Bewusstheit Ihrer unmittelbar wahrnehmbaren anwesenden Wirklichkeit sind zwei ganz wesentliche Aspekte einer weiblichkeitsorientierten Spiritualität und sind Wegweiser, um Sie und Ihr Wirken in uns zu mehren!

Aus dem Prozess meiner eigenen Göttin-Erfahrungen erscheint mir überhaupt der Schluss zulässig, dass es der heute stimmige und dringend anstehende Entwicklungsschritt ist, Sie wieder in den Bereich der Religionen und spirituellen Traditionen einzubeziehen und diese dadurch selbst tief zu wandeln. Beziehungsweise einen eigenen spirituellen Weg mit Ihr zu finden und zu gehen und von Ihr und diesem zu künden. Das wird jedoch nicht gehen ohne dieses von mir empfohlene neue Verständnis von Göttin, Ihrer Wirklichkeit und Verwirklichung. Vor allem nicht ohne die Einsicht, dass Sie ganz lebendig und in uns, nämlich in unserer Leib-Seelen-Ganzheit, zu finden ist! Ja, Sie als den verborgenen Schatz, das Große Mysterium in unserer eigenen Mitte anzunehmen und Sie da wirklich zu entdecken!

Dazu ist jedoch nicht nur eine Wandlung im Gottes- und Menschenbild nötig, sondern auch in unserem gesamten Weltbild, das ja mit beidem in wechselseitigem Wirkzusammenhang steht. Denn Göttin in Ihrem liebevollen Sein und Wirken wahrzunehmen und ihre Führung anzuerkennen, bedeutet auch, ganz andere – eben nicht länger chauvinistische, patriarchale – Einstellungen und Haltungen gegenüber der gesamten Wirklichkeit, insbesondere auch im ganzen Umgang mit Frauen sowie Mutter Erde anzunehmen.

 Anmerkung

1     Zur Unterscheidung von „Psyche“ und „Seele“. Vom Wort her ist „Psyche“ einfach das griechische Wort für „Seele“. Von daher wäre kein Bedeutungsunterschied gegeben.

Unterschiede ergeben sich aber aus dem, was für mich „im Feld dieser Worte“ mitschwingt: Psyche, Psychologie klingen neuzeitlicher, geistiger, verstandesnäher, der Mythos von „Amor und Psyche“ fällt mir ein; Seele erinnert mich an einen stillen See, an Wasser, an Fließendes, ein Meer, einen Ozean, Tiefe, Wellen, … tauchen, Unergründliches, Mächtiges, weitet mich, bewegt mich … Unterschiede lassen sich auch festmachen, wenn ich an die Herausbildung der den Menschen objektivierenden wissenschaftlichen Psychologie denke. Und ebenso ergibt sich eine Unterscheidung berufsmäßig ausgeübte Psychotherapie von echter Seelsorge und religiös verstandener Seelenheilkunde!

Somit meine ich in meinen Texten mit psychisch“ das Gefühls- und Beziehungs(er)leben der Person, also unser subjektives Erleben und seinen leiblichen Ausdruck als Reaktion auf unsere Umwelt und Innenwelt. Psychische Inhalte wären dann etwa Freude über einen Besuch, Ärger über ein nicht eingehaltenes Versprechen, eine sorgenvolle Haltung bezogen auf die Zukunft. Psychisch meint also das leibliche Erleben einer Person, die sich als „dieser Körper“ mit „dieser Geschichte“ fühlt, eher getrennt und alleine.

Seele ist für mich ein Wort für unsere wahre Natur in ihrem göttlichen Aspekt, die Tiefendimension unseres Seins und das Leben, Erleben und Wirken des Göttlichen in uns, was für mich unmittelbar erlebbar ist. Seele ist das, was uns verbindet und Verbunden-Sein fühlen lässt.

Die Seele ist deshalb „tiefer“ gelagert als die Psyche: Ur-Stoff, Ur-Geist/Bewusstsein, Ur-Kraft und Ur-Liebe. Ich kann Seele als Raum einer bestimmten oft erhebenden, beschwingenden, weitenden und mich erfüllenden Gefühlsqualität leiblich erleben.

Phänomenologisch begriffen sind wir Seele, und zwar als „Gefäß“ (der Leib in seiner Ganzheit) und „Inhalt“ und das beständige Fließen dieser Ganzheit.

Tiefenpsychologisch ausgedrückt die lebendig-dynamische mit dem Transpersonalen verbindende formlose, grenzenlose „Quelle“ mit ihrem Fülle-Potenzial, mit ihrem Steuerungszentrum, dem Selbst, die ich, im Unterschied zum außernatürlichen Geist-Gottesverständnis, Göttin nenne.

Insofern sind Psyche und Seele inzwischen für mich Begriffe, die verschiedene Wirkebenen in uns darstellen: Psyche ist mehr an das alltägliche Reagieren und Miteinander gebunden, Seele das in uns liebende, nährende, führende göttliche Sein, dessen Wirken und Unsdurchwirken wir fördern können, indem wir leiblich immer durchlässiger werden. Seele ist das in uns, was es auf einem spirituellen Weg zu erwecken und wachsen zu lassen gilt. Somit ist Seele eigentlich ein mächtiges Wirkwort, um uns mehr und mehr zu beseelen, das heißt, über ein Person-Werden hinaus, das Göttliche mehr und mehr durch uns wirken zu lassen und uns mehr und mehr in ihm zu beheimaten und uns dadurch als Seele zu erleben.

Eine beseelte oder von der Seele durchwirkte Person wäre dann ein Mensch, der sich seines göttlichen Ursprungs bewusst wäre und aus dieser lebendigen Beziehung liebevoll verbunden und selbst schöpferisch leben würde.